Sehnsucht nach dem Vater

16. Januar 2016

Vortrag auf der christlich-ökumenischen Veranstaltung „MEHR“ Anfang Januar 2016 in Augsburg:

Der Humor meines Sohnes (links) …

4. Oktober 2015

IMG_0001z

Das Lesezeichen

9. Juli 2014

Heute Morgen fiel mir aus einem Buch ein Lesezeichen in die Hände, das mein Sohn mir vor 14 Jahren einmal geschenkt hat. Es war jahrelang in einem Buch gelegen. Als mein Sohn es mir damals zum Muttertag geschenkt hat, war er sieben Jahre alt. Ich war damals in Vollzeit berufstätig. Alle Kinder im Hort hatten solche Lesezeichen für ihre Mamas gebastelt und zum Muttertag überreicht.

Bild - Das Lesezeichen

Das Lesezeichen

Als ich heute Morgen das Lesezeichen in den Händen hielt, habe ich es mir zum ersten Mal ganz in Ruhe betrachtet.

Zum ersten Mal fiel mir auf, wie ordentlich die Zeichnung ausgemalt war. Nur an wenigen Stelle hat mein Sohn über den Rand gemalt. Auch die kleine Zwischenräume sind sorgfältig ausgemalt. Der Himmel ist blau, der Ast braun, so wie in der Realität. Die Blätter hat er mit grünem Buntstift ganz genau ausgemalt. Die beiden oberen Vögel kontrastieren in orange-roten Farben zum grün-blauen Hintergrund, während die beiden unteren Vögel ebenfalls bläulich-grünlich erscheinen. Aber wenn man genau hinguckt, sind die beiden unteren Vögel in ganz vielen verschiedenen Farben ausgemalt. Entweder hat mein Sohn hier verschiedene Stifte eingesetzt oder (und das ist meine Vermutung) er hat einen Regenbogenbuntstift verwendet. Ein Regenbogenbuntstift ist ein Buntstift, der mehrere Farben in einer Mine kombiniert. Die beiden unteren Vögel sehen auf jeden Fall sehr hübsch aus. Sie schillern in verschiedenen, ineinander übergehenden Farben.

Ich habe mich damals ganz bestimmt freudig bedankt, als mein Sohn mir das Lesezeichen gab. Aber sicher habe ich mir das ausgemalte Bild nicht eingehend angesehen. Über das „Ales gute“ auf der Rückseite habe ich gelacht und mich heimlich auch ein wenig geärgert, weil die Hortbetreuerinnen diese groben Rechtschreibfehler einfach zuließen.

Bild - Ales gute

Ales gute

Diese Rechtschreibfehler sind süß, aber auch inakzeptabel im Hinblick auf die Welt später, denn man muss lernen sich selbst zu disziplinieren und kontrollieren und korrigieren. Das habe ich aber ganz bestimmt nicht laut ausgesprochen, sondern gelacht und meinem Sohn ein Küsschen gegeben und ihn lieb umarmt für das Lesezeichen und es eingesteckt.

Es tut mir wahnsinnig leid, dass ich mir das Gemalte nicht eingehend betrachtet habe, damals. Einfach, weil es schön gemalt ist und Mühe gemacht hat und weil man es ernst nehmen kann, selbst wenn es mit Unlust und unter Druck durch die Hortbetreuerin gemalt wurde. So ein eingehender, genauer, ernst nehmender Blick ist einfach unheimlich wichtig und den Regenbogenbuntstift hätte ich dann entdeckt und mir wäre aufgefallen, dass der oberste Vogel in Orange genau zur orangen Schnur am unteren Ende passt. Ein eingehender, langer, detailverliebter Blick gibt dem Lesezeichen und dem Akt des Ausmalens rückwirkend ein großes Gewicht.

Aber damals hatte ich weder zeitlich noch innerlich die Ruhe, mich eingehend mit solchen Details zu beschäftigen. Ich war froh, wenn mein Sohn nicht krank war und in Schule und Hort gehen konnte, denn es war immer stressig einen Babysitter zu finden und mit schlechtem Gewissen verbunden, im Notfall selbst nicht in die Arbeit gehen zu können. Ich wollte immer möglichst vermeiden, wegen Kind zu Hause bleiben zu müssen. Nach der Arbeit holte ich meinen Sohn oft erst im letzten Augenblick noch pünktlich im Hort ab, bevor dieser um 17:00 Uhr schloss. Mein Sohn und ich kamen dann aus zwei Welten: ich aus der Büro-Welt mit meinen Erlebnissen mit Kollegen und meinen Aufgaben, und mein Sohn aus seiner Schul- und Hortwelt mit seinen Erlebnissen in der Klasse und mit seinen Freunden. Für Details wie die Buntstiftfarbe der Vögel gab es an den kurzen Abenden einfach keinen Raum. Ich hatte nicht die Nerven und nicht die Zeit.

Wie töricht ist unsere Gesellschaft, wenn sie die Berufstätigkeit von Müttern an die erste Stelle setzt durch Ausbau der Krippen und KiTas und damit eine Vereinbarkeit von Kindern und Berufstätigkeit vorgaukelt.

Schrecklich, dass unsere Kinder für unsere Torheit bezahlen.

Meine eingehenden Betrachtung des von meinem Sohn ausgemalten Lesezeichens fand 14 Jahre zu spät statt.

 

Eine neue Perspektive? – Wie es weiterging!

1. Februar 2014
programmer

(Foto: canstockphoto.com)

Seit fast vier Jahren habe ich keinen Eintrag mehr für dieses Blog verfasst. Dieser Blogeintrag beschreibt, wie es weiterging bei uns und ist gleichzeitig eine Antwort auf Elena’s Diskussionsbeitrag unter dem Blogeintrag „Eine neue Perspektive“ (am besten diesen Blogeintrag zuerst einmal durchlesen).

Hier möchte ich zunächst einmal Elena’s Beitrag zitieren:

Hallo ,
ich bin selber arbeitende Alleinerziehende Mutter a zwei Kinder – keine einfachen Kinder , aber wer/was ist schon einfach…
Mein Sohn ist mittlerweile 13 jahre alt und Gymnasiast in ein Münchener Gymnasium. Die von dir beschriebene Verhältnisse kenne ich leider zu gut.
Dazu kommt das mein Sohnemann eine viel , viel zu niedrige Frustationsgrenze hatte und manchmal noch hat,in alle Bereiche .
Als mein Sohnemann die dritte Klasse noch besuchte , wurde bei ihn eine nichtvorübergehende Legastenie UND ADHS festgestellt . Sein Vater hat es auch .
Jedoch- da ich gegen Retalin bin , habe ich mir andere Wege ausgedacht .
Somit , habe ich Ihn in damals sofort im ein Hockeyvereins angemeldet wo er immer noch 3 mal / Woche trainiert und am WE Hockeyspiele hat.
Zusätzlich dazu , 2mal/ Woche an die Isar joggen gehen ( ich radle dann mit😦
10 stunden Schlaf sind seitdem Pflicht .
Fernsehen gibt es nur am WE , wenns unter der Woche sein muss/ musste , dann ARTE oder Animal Planet nach den Hausaufgaben.
Haushalt mit organisieren bzw. Verantwortung übernehmen .
 Computer , PCs Spiele , etc., maximal 2 Stunden am WE als Belohnung .
Er musste mir jeden Abend 15-20 min. Lesen , dann ich ihm..
Ich habe Spielabende eingeführt ..
Vitamin D über den Winter …
Nicht nur seine Grenzen sondern auch meine sind dadurch enger geworden .
USW.
Und siehe da , er hat es mit 1,66 ins Gymi geschafft ( obwohl der Arzt meinte ” unter diese Vorausetzungen , niemals !”) , ist Klassensprecher ,hat sich zu eine Leseratte entwickelt , joggt gerne bis zu 7 km.und hört Musik dabei , hat jede Menge Spaß am Hockey , und liebt mich immer noch;-) .
Klar , es ist arg anstrengen ,man muss als Mutter viel , viel erklären , sich oft wiederholen , manchmal / oft schimpfen dabei – ab und zu selber sein Wut kontrollieren , jedoch – mei , wir wollten sie haben🙂 . Zum Glück !
Und meinen 10 Jährige Tochter ( ADHS , bekommt auch kein Ritalin )schadets das Ganze und in der Form auch nicht. Obwohl sie extrem Meinungsstark und manchmal ” beratungsresistent” ist – ich habe das Sagen . Sie spielt Hockey, halbe Stunde täglich Spazieren ist Pflicht ,Malt in jeder freie Minute und geht ab Sept. zum Gymnasium . Als Belohnung , kriegt sie das was sie sich arg wünscht : Gittarenunterricht .
Ergo : Kinder ( ich denke nicht nur meine ) brauchen viel Bewegung und strenge Grenzen..meiner Meinung nach.
Ganz liebe Grüße und viel Glück ,
 Elena

Nun folgt meine Antwort.

Liebe Elena,

Ich gebe Dir in fast allen Punkten vollkommen Recht.

Kinder brauchen viel Bewegung und strenge Grenzen“ – ganz genau richtig.

Super, dass Ihr das ADHS ohne Ritalin so gut in den Griff bekommen habt!

Der einzige Punkt, in dem ich glaube ich eine andere Meinung habe ist, dass Du schreibst, Du lehnst Ritalin ab – generell ab, wenn ich Dich richtig verstehe. Ich finde, solange man das ADS oder ADHS anders in den Griff bekommt und die Kinder keinen Schaden davon tragen (z.B. eine schlechte Schulbildung oder keinen Schulabschluss) sollte man ruhig auf Ritalin verzichten. Aber es ist sicherlich von Fall zu Fall unterschiedlich, ob man es ohne Ritalin schafft oder nicht. Es spielt die Stärke des AD(H)S eine Rolle, die genetische Veranlagung des Kindes und auch die erzieherischen Fähigkeiten der Eltern. Ich glaube, wenn man es anders nicht in den Griff bekommt, ist es besser, einem Kind Ritalin zu geben bevor es wegen ADHS einen schlechten Start im Leben hat.

Ein Riesenvorteil ist es natürlich, wenn man überhaupt erst einmal erkennt, dass das Kind AD(H)S hat. Und wenn man es möglichst frühzeitig erkennt. Dann kann man ganz bewusst damit umgehen, es gibt ja ganze Bücher darüber, wie man mit AD(H)S auch ohne Medikamente leben kann. Man kann sich in Ruhe damit auseinandersetzen und alles versuchen – und immer noch auf Ritalin zurückgreifen, wenn es alles andere nicht oder nicht ausreichend hilft.

Bei uns war es so, dass mein Sohn, als ich den Artikel oben geschrieben habe, 16 Jahre alt und im letzten (Haupt-)Schuljahr war.

Wir haben Ritalin in einer geringen Dosis in Absprache unserer Hausärzing getestet: schon 10 mg hatten eine spürbare Wirkung. Ich möchte kurz erzählen, wie unser erster Test war:

Mein Sohn war gerade dabei, aus dem Internet Informationen für eine Arbeit für die Schule zu sammeln. Er saß an meinem Computer und recherchiert und  nahm eine 10 mg Tablette Ritalin. Ich saß an einem anderen Tisch und arbeitete. Nach ca. 20 Minuten sagte mein Sohn, „nee Mama, ich merk‘  gar nichts von dem Ritalin“ und klickte weiter im Internet herum. Dann drehte er sich irgendwann um und begann, mir etwas von seiner  Schule zu erzählen.  Wir kamen in ein entspanntes (!) Gespräch (!) und unterhielten uns über seine Schule, über Freunde und Lehrer. Es entwickelte sich ein sehr gutes und langes Gespräch. Wir hatten schon Jahre nicht mehr so miteinander gesprochen! Ich machte meine Sohn darauf aufmerksam und fragte ihn, ob er meine, dass es mit dem Ritalin zusammenhängen könnte. Er sagte ja, auf jeden Fall, denn er habe sonst wirklich nie Lust und Geduld, sich länger mit mir zu unterhalten und jetzt habe er richtig Lust zu erzählen.

Wir haben dann in Eigenregie mit den 10mg-Ritalin-Tabletten noch ein wenig herumexperimentiert , er hat auch in der Schule Ritalin genommen und berichtete, dass ihm die Schule damit extrem leichter falle, er könne aufpassen und sich alles merken.

Daraufhin meldete ich meinen Sohn bei einer auf AD(H)S spezialisierten psychologischen Gemeinschaftspraxis an. Er wurde dort gründlich getestet und der Befund war, dass er ADS hatte. Er bekam psychologische Beratungsgespräche bei einem Psychologen und die darauf spezialisierte Ärztin stellte zusammen mit ihm die passende Dosis (und die passende Form, da gibt es nämlich Unterschiede bzgl Wirksamkeitskurve während des Tages) Ritalin ein.

Von da ab ging es bei meinen Sohn nur noch bergauf in der Schule.

Wir haben den Lehrern in der Schule nicht gesagt, dass mein Sohn nun Ritalin nimmt, weil es so viele Vorbehalte dazu gibt.

Ich kann mich noch an den Elternsprechtag im zweiten Halbjahr erinnern. Dieses Schuljahr war ja extrem wichtig, weil es das Abschlussjahr der Hautpschule war! Mein Sohn hatte noch im ersten Halbjahr dieses Abschlussjahres sehr schlechte Noten gehabt! Erst im April hatten wir mit Ritalin angefangen. „Es sieht so aus, als ob Ihr Sohn im letzten Moment die Kurve kriegt“ meinte der Klassenlehrer meines Sohnes. Mein Sohn sei vollkommen verändert: aufmerksam, pflichtbewusst, aufnahmebereit und er gibt immer kluge Beiträge. Die Noten seien einfach phänomenal, im Vergleich zu vor wenigen Monaten. Er habe kaum jemals so eine Wende gesehen. Diese Entwicklung sei fast ein Wunder. Mein Sohn sei den meisten seiner Klasse voraus und könne, wenn er so weitermache, nach seinem qualifizierten Hauptschulabschluss auf den weiterführenden M-Zweig wechseln um auf der Schule nächstes Jahr die mittlere Reife zu machen.
Auch die anderen Lehrer äußerten sich alle in überaus lobenden Tönen und überrascht darüber, dass mein Sohn im zweiten Halbjahr des letzten Schuljahres noch so zur Vernunft gekommen war.

Als ich von diesem Elternsprechabend von der Schule nach Hause lief war ich fast fassungslos und fühlte mich so leicht und unbeschwert wie schon seit vielen Jahren nicht mehr. So einen Elternsprechtag hatte ich noch nie erlebt! Früher war es genau das Gegenteil gewesen: düstere Zukunftsprognosen, Warnungen, Druck. Zukunftssorgen – realistische, begründete Zukunftssorgen!

Der Hauptschulabschluss fiel dann sehr gut aus und mein Sohn schaffte alles mit großer Leichtigkeit. Er hatte einen Erfolg nach dem anderen, eine super Note nach der anderen. Er wechselte auf den M-Zweig der Hauptschule und machte seine mittlere Reife.

Danach besuchte er die FOS, die er aber wegen mangelndem Durchaltevermögen und weil er nie gelernt hatte, zu lernen, zweimal abbrach. Es folgte eine Ausbildung, die er aber auch nach einem halben Jahr abbrach, weil er sie langweillig fand. Das war für mich wieder eine überaus sorgenvolle Zeit. Ritalin alleine ist kein Garant auf ein erfolgreiches Leben. Es gehören Disziplin, Wille, Durchhaltevermögen dazu.

Durch einen glücklichen Zufall bekam mein Sohn dann  aber einen Ausbildungsplatz in seinem Traumberuf: Anwendungsprogrammierer. Er wird bald 21 Jahre alt und macht im Moment mit bestem Erfolg die Ausbildung. Er geht mit Lust und Freude hin und ist zielstrebig.

Mein Sohn nimmt immer noch Ritalin und treibt leider KEINEN Sport  – das macht mir etwas Sorgen, denn wie Du, Elena, glaube ich, dass Sport das ADS Problem erleichtern würde. Er ist aber ansonsten einigermaßen vernünftig und ich glaube, es ist nur eine Frage der Zeit bis er anfängt, Sport zu treiben. Es wird sich zeigen, ob er aus dem Ritalin irgendwann herauswächst.  Der Körper, die Hormone etc. ändern sich ja im Laufe des Lebens.

Wir wohnen seit 1,5 Jahren nicht mehr zusammen. Ich bin zudem aus beruflichen Gründen vor einem halben Jahr in eine ca. 300 km entfernte Stadt gezogen. Wir haben guten Kontakt und unser Verhältnis ist insgesamt sehr gut.

(Ich bin nach wie vor der festen Überzeugung, dass das Modell „Alleinerziehen“ katastrophal für unsere Gesellschaft ist und den Kindern und alleinerziehenden Müttern schadet.)

Ich wünsche Dir, lieber Elena, und allen die dies lesen alles Gute weiterhin und dass sich Eure Kinder zu produktiven, verantwortungsvollen und glücklichen Erwachsenen entwickeln!

Beobachtungen im Zug

28. Februar 2010

Ich habe meine selbstständige Tätigkeit aufgegeben und arbeite wieder als Angestellte.

Dazu nehme ich jeden Morgen um 06:55 den Zug zur nächsten Großstadt.

Den größten Anteil der zahlreichen Fahrgäste diese Zuges sind Jugendliche im Alter von ca. 13 bis 18, die zur Schule oder Ausbildungsstelle fahren.

Was mir auffällt:

Selbst bei Schnee- oder Regenwetter: viele Jugendliche stützen ihre Beine ab, indem sie ihre Schuhsolen auf dem gegenüberliegenden Sitzplatz (auf dem stoffbezogenen Polster) abstellen.

Taschen, Ordner, Sportbeutel werden grundsätzlich  auf die freien Sitzplätze verteilt. Selbst bei gut besetztem Zug werden diese Plätze nur nach Aufforderung freigeräumt („Ist da noch frei?“ Oder „Kann ich mich da bitte hinsetzen?“)  Meist ohne Antwort und mit genervter Mimik.

Und es gilt das Prinzip: wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Alten Leuten wird nicht freiwillig ein Platz angeboten. Wenn diese nicht selbst aktiv werden und darum bitten, dass man ihnen einen Platz freimacht, müssen sie stehen bleiben.

Woher kommt das? Ich glaube nicht, dass unsere Jugendlichen grundsätzlich ‚schlechter’ sind als früher. Aber: sie sind weniger erzogen.

Und woher kommt das?

Ganz einfach: weil die Eltern keine Zeit haben, ihre Kinder zu erziehen. Alleinerziehende Mütter schon gar nicht.  

Ganztags im Kindergarten (© Pavel Losevsky - Fotolia.com)

Und in 10 bis 25 Kinder großen Ganztags-Kindergarten-(Schul-, Hort-)gruppen erwerben die Kinder untereinander Sozialkompetenz, aber wie man sich in einer zivilisierten Gesellschaft bewegt, die nicht nur aus homogenen Kindergarten-, Ganztagsschulen- oder Hortgruppen besteht, lernen sie nicht.

komplexe Gesellschaft, komplexe Welt

Nachtrag vom 19. Juli 2010:

heute bin ich mit einer weißen Hose bekleidet mit dem Zug in die Arbeit gefahren. Ich setzte mich auf einen freien Platz. Ich habe mehr als 1 Std Fahrtzeit vom Wohnort zur Arbeit (Zug, Bus). Als ich aufstand, war meine Hose hinten nass. Ich hatte beim Hinsetzen nicht bemerkt, dass der Sitz nass war. Eklige Angelegenheit. In was hatte ich mich da gesetzt? Auf der Toilette in der Arbeit um kurz nach 8 Uhr früh habe ich dann gesehen, dass es wohl Kaffee gewesen sein musste. Hinten auf der weißen Hose!! Ich hatte die Wahl, entweder noch einmal nach Hause zu fahren um die Hose zu wechseln (Zeitverlust mindestens 3 Stunden), oder vom Industriegebiet mit dem Bus in die Stadt zu fahren und mir eine neue Hose zu kaufen (Zeitverlust mindestens 2 Stunden). Ich entschied mich für Letzteres. Irgendso ein rücksichtsloser Fahrgast hat seinen Kaffee mit in den Zug genommen, auf dem Sitz muss der Kaffeebecher umgekippt sein (denn meine Hose war ziemlich nass und der Fleck war sehr großflächig). Anstatt einen Zettel „Vorsicht nass“ auf den Sitz zu legen, lässt es dieser Fahrgast einfach zu, dass sich eine andere Person in seinen Kaffee hineinsetzt. Gute Nacht.

*** Breaking News ***

9. Juli 2009

Mein Sohn ist im Quali-Prüfungsergebnis Mathe

*** Schulbester ***

geworden!!!!!!!

Eine einfache Rechnung

20. April 2009

Vorhin wieder ziemlichen Streit mit meinem Sohn gehabt. Er hat sich seit ein paar Tagen in den Kopf gesetzt, in die Großstadt ziehen zu wollen (mit 16!) und dort eine Ausbildung machen zu wollen. Weil er „dieses Kaff hier satt hat“ und weil es hier „so langweilig ist“.

alles ätzend

alles ätzend

Ich habe ihm klar gemacht, dass er hier bleibt und hier entweder ein weiteres Schuljahr oder hier eine Ausbildung macht.

Streit, Türenknallen, Nichteinhalten von Vereinbarungen, Unverschämtheiten.

Wir sind vor 5 Jahren aus einer Großstadt hierher gezogen, weil das soziale Umfeld desaströs für meinen Sohn war, sobald er in die Hauptschule ging. Ich habe für diesen Umzug sehr viel aufgegeben und er hat es hier sehr gut.

Ich stelle immer wieder fest, dass mein Sohn unglaublich selbstbezogen, egoistisch, verwöhnt, verweichlicht ist und keine gute Selbsteinschätzung hat. Ein Wort fasst es zusammen: Narzissmus.

Nun ist mein Sohn erst 16 und sein Charakter noch nicht fertig entwickelt. Ich hoffe, das legt sich noch.

Trotzdem habe ich eben per Google folgenden interessanten Text über Narzissmus gefunden:

Nach einer Studie der Universität von San Diego (Kalifornien) sind die nach 1982 geborenen Menschen…  

„… die narzisstischste Generation der jüngsten Geschichte und eher weit entfernt von einer sozialen Orientierung. Dieser amerikanische Befund deckt sich mit Jugendstudien aus dem deutschsprachigen Raum, wonach es immer mehr Jugendliche gibt, die wenige tragfähige soziale Beziehungen entwickeln, sich nicht sozial integrieren können und sich letztlich selbst in den Mittelpunkt stellen.“
(Hervorhebungen von mir)

Die „nach 1982 geborenen Menschen“! Das sind die Kinder der sogenannten 68ger Generation (Love, Peace, Flower-Power).
Stichwörter: Pille, Feminismus, freier Sex, Drogen, Selbstverwirklichung, Linksextremismus, antiautoritäre Erziehung, Lebensabschnittspartner statt Ehe.

zukünftige Alleinerziehende?

zukünftige (Mutter einer) Alleinerziehende(n)?

Und wie kommt es zur Entwicklung einer narzisstischen Persönlichkeit?
Darüber heißt es im zitierten Artikel:

„Die Ursachen des Narzissmus sind neben einer gewissen erblichen Disposition vor allem auch die familiären Verhältnisse. Narzissmus entsteht meist in der frühen Kindheit, wenn sich normalerweise das Selbstwertgefühl und die eigene Individualität entwickeln. Häufig werden später narzisstische Kinder wenig wahrgenommen („ich war wie Luft“) und in ihren Bedürfnissen nicht unterstützt oder überfordert („du bist mein großer Junge, das schaffst du auch alleine“). Oft werden sie aber auch überhütet, so dass sie keine Gelegenheit haben, ein gesundes Selbstbewusstsein zu entwickeln. Oft ist die Mutter sehr dominant, der Vater faktisch nicht vorhanden. In Ehen, in denen es kriselt, werden die Söhne dann auch von den Müttern als „Partnerersatz“ behandelt und erwarten von ihnen jene Aufmerksamkeit und Zuwendung, die sie vom Partner nicht bekommen.“
(Hervorhebungen von mir)

kann alles, schaffe alles

kann alles, schaffe alles

Machen wir mal eine einfache Rechnung auf:

Alleinerziehen + Dauerfremdbetreuung – Vater = Narzissmus

Frau „Kinderkrippenausbau“ von der Leyen mit der Wirklichkeit konfrontiert

19. April 2009

„Die Tagespost“ von heute bringt auf Seite 7 folgenden Artikel:

Fr. von der Leyen wird mit der Wirklichkeit konfrontiert

Die Wirklichkeit offenbarte sich auf einer Diskussionsveranstaltung

„Ministerin mit der Wirklichkeit konfrontiert“! Gemeint ist Familienministerin „Uschi“ von der Leyen, die sich in ihrem „Kampf gegen Kinderpornographie“ zwar nicht mit den Wirklichkeiten der Internettechnologie konfrontiert zeigte, nun aber umso mehr mit der Wirklichkeit einer Alleinerziehenden konfrontiert wurde. Und zwar während einer Diskussionsveranstaltung in der katholischen Akademie in Mülheim.

Dort konfrontierte eine alleinerziehende Mutter, die halbtags als Erzieherin arbeitet, Fr. von der Leyen mit folgender „sozialer Wirklichkeit“:

„Weil ich mich um mein Kind kümmern will, muss ich halbtags arbeiten. Aber damit ist für mich die Altersarmut vorprogrammiert. Wollen Sie das?“

?
„Wollen Sie das?“
Wieso „Sie„?
Wieso trägt der Steuerzahler via Fr. von der Leyen plötzlich die Verantwortung für dieses jämmerliche Lebensmodell? Wie kommt die alleinerziehende Fragestellerin darauf?

Eine kleine Analyse ihrer Aussage führt uns zur Antwort. Hier noch einmal verkürzt die Aussage der alleinerziehenden Fragestellerin:

„Weil ich … will (a), muss (b) ich …. Armut vorprogrammiert (c) … Wollen Sie (d) das“?

Korrekt liegt zunächst die Verantwortung bei der Fragerin, sie sagt: sie will (a). Gleich folgt daraus jedoch ein Zwang, denn nun muss sie (b). Dieser Müssens-Zwang lässt schon die Bedrohlichkeit der äußeren Umstände erahnen, von welchen sie sich wie von Betonmauern umstellt fühlt, ohne Ausweg, ohne Möglichkeiten, diese niederzureißen. Und tatsächlich: ihre Situation ist nun vorprogrammiert (c), die Verantwortung ist damit wie von Zauberhand von ihr selbst (a) auf einen Sachverhalt (c) verlagert worden. Doch damit nicht genug, denn das ist nur ein Kurzparkplatz für die Verantwortung! Mit der Frage „Wollen Sie das?“ landet die Verantwortung nämlich schwupps-hast-du-nicht-gesehen auf „Sie„, der Ministerin (d) und damit auf der „Gesellschaft“, sprich dem Steuerzahler.

In der Tat ist der Leser hier mit einer „sozialen Wirklichkeit“ konfrontiert: mit dem Paradebeispiel einer Mentalität, die Verantwortung für eigene Lebensfehler grundsätzlich der „Gesellschaft“ aufbürdet und für die eigenen Dummheiten Mitgefühl und Sympathie erwartet.

Das steht natürlich nicht im Artikel, der sich statt dessen beeilt zu sagen, dass Fr. von der Leyen „das“ selbstverständlich nicht will. Was soll sie auch sonst sagen, alles andere wäre politisch total inkorrekt. Soll Fr. von der Leyen etwa antworten:

„Nein, natürlich will ich das nicht, aber Sie selbst wollen das, sonst würden Sie so ein bescheuertes Lebensmodell doch gar nicht leben! Sonst hätten  Sie doch ganz andere Entscheidungen getroffen!

Niemand hat Sie dazu gezwungen, Erzieherin zu lernen. Niemand hat Sie dazu gezwungen, mit dem möglicherweise falschen Mann ins Bett zu steigen. Niemand zwingt Sie dazu, weiterhin als Single zu leben. Niemand zwingt Sie dazu, halbtags zu arbeiten (ich, Frau „Kinderkrippenausbau“  von der Leyen schon gar nicht). Nehmen Sie einen zusätzlichen Putzjob an, anstatt Ihre Zeit auf Diskussionsveranstaltungen zu verplempern und  uns die Ohren vollzuheulen. Lernen Sie aus Ihren Fehlern.

So unverblümt kann Fr. von der Leyen nicht antworten, wenn sie weiterhin Interesse an ihrem Job als Familienministerin hat. Wahrscheinlich denkt sie so etwas nicht einmal. Weil sie zwar mit der Wirklichkeit konfrontiert wird, sie aber doch nicht durchschaut.  Statt dessen überlegt sie, noch ein paar „Instrumente gegen Kinderarmut“ zu erfinden, die dann diejenigen bezahlen, die klügere Lebensentscheidungen getroffen haben, oder diejenigen, die nicht jammern, sondern einen Vollzeitjob und zwei Putzjobs haben und äußerst bescheiden leben, wie meine alleinerziehende serbische Bekannte mit ihrem 16-jähringen Sohn aus München.

Eine neue Perspektive

6. April 2009
Die Schule und das Leben besser in den Griff bekommen?

Die Schule und das Leben besser in den Griff bekommen? (Foto©DanielFuhr-Fotolia.com)

Letzten Freitag habe ich C., eine alte Schulfreundin, getroffen. Wir haben uns viele Jahre nicht gesehen. Sie ist verheiratet, hat zwei Kinder und arbeitet halbtags als Ärztin in der Psychiatrie.

Ich erzählte ihr von den Schulproblemen meines Sohnes, der jetzt 16 Jahre alt ist. Von seiner Odyssee von der Hauptschule in München zur hiesigen Hauptschule auf dem Land, über die hiesige Realschule wieder zurück zur Hauptschule, ins Internat und wieder zur Hauptschule hier. Von den Jahren, in welchen Schule und Hausaufgaben ein ewiger Streitpunkt waren. Davon, dass auf allen Schulen alle Lehrer einstimmig das Lied sangen: „Er könnte, wenn er wollte …“
Und dass unser Verhältnis in der letzten Zeit besser geworden ist. Dass er sich irgendwie mit sich selbst und mit mir arrangiert hat und ich mich mit ihm und mit mir.

C. fragte, woran diese Schulprobleme usw. lägen.

Ich erzählte ihr von meinen Theorien: der fehlende Vater, die Medienüberflutung und falsche Vorbilder, die Gene, die ersten Schuljahre, der Hort, meine Zerrissenheit zwischen Beruf und Kind.

„Bist Du sicher, dass es da nicht noch eine weitere Ursache gibt? Die eigentliche Ursache?“

fragte C.
Denn, sagte sie, sie habe ganz ähnliche Schulprobleme auch mit ihrem Sohn gehabt, der jetzt neun Jahre alt ist.

Sie erzählte mir von ihrem täglichen Kampf um die Hausaufgaben, den ich nur zu gut kannte. Von der Unfähigkeit ihres Sohnes, strukturiert arbeiten zu können, und überhaupt strukturiert im Alltag handeln zu können, nach dem Muster: ich nehme mir etwas vor und führe das dann aus. Außer es handelte sich um etwas, für was er sich brennend interessierte. Dann ging es. Die Schule (und vieles mehr) war das allerdings nicht. Sie erzählte von ihren Selbstzweifeln, wie sie ihre Erziehung in Frage stellte und die Nerven immer blanker wurden. Auch das kenne ich nur zu gut. Auch die Psychodynamik, der Teufelskreis, in dem man sich dann bewegt, wenn das Kind nicht so kann oder will, wie es sollte und könnte, und wenn man um des Kindes Wohl darum kämpfen muss, dass es das lernt, wie schlimm die Streits sind, und wie immer mehr vom Selbstbewusstsein des Kindes und der Mutter verloren geht und das Verhältnis immer schlechter wird.

Dann, sagte sie, sei sie auf das Thema „ADS“ aufmerksam geworden und habe darüber in Büchern und im Internet gelesen. Sie erklärte mir, dass es Kinder mit ADHS gibt, – das sind hyperaktive Kinder mit Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom und Kinder mit ADS – das sind Kinder, die nicht hyperaktiv sind, aber auch ein Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom haben.

Sie ging zu einem Spezialisten, der ihrem Sohn die Diagnose ADS bescheinigte. Und das einzige, was die Probleme ihres Sohnes sofort und mit einem Schlag zu 100% löste war – Methylphenidat: Ritalin & Co. Alle erzieherisch-psychologischen Bemühungen, die bei ADS empfohlen werden, waren dagegen wirkungslos. Das Medikament habe die quälenden Probleme mit der Schule und verwandten Dingen, und das dadurch entstandene schlechte Verhältnis zwischen entnervtem Sohn und entnervten Eltern nach allerkürzester Zeit in Nichts aufgelöst. In Nichts! Ihrem Sohn gehe es blendend. Ihr Leben habe sich wieder normalisiert.

Die Symptome, über die auch viel im Internet steht, passen sehr gut auf meinen Sohn und unsere Geschichte. Ich habe die Sache mit ihm besprochen. Er zeigt sich interessiert und experimentierfreudig. Nächste Woche gehen wir zur Hausärztin, um ihm Ritalin verschreiben zu lassen. Die monatelange Ärzte-Odysee mit psychologischen Tests usw. werde ich ihm und mir ersparen. C. meinte, dass man die Wirkung sehr schnell merkt, wenn ein ADS vorhanden ist. Man muss mit der Dosierung ein wenig herumprobieren. Wenn kein ADS vorhanden ist, wirkt es nicht (oder nicht so, dass es hilfreich ist) – dann setzt man es eben wieder ab.

Sollte sich der Verdacht bestätigen und ihm das Medikament deutlich helfen, steht uns in den nächsten Wochen so eine Art private Weltrevolution bevor. Nach so vielen Jahren??!!

Theater, Musik und Kunst

6. April 2009
Theater der Jugend in München

Theater der Jugend in München (2003)

Am Wochenende war ich mit Freundinnen in einem Restaurant.

H. meinte:

„Wenn man ein Kind von klein auf mit Theater, Musik und Kunst in Berührung bringt, dann wird es später, wenn es erwachsen ist, darauf zurückgreifen und Theater, Kunst und Musik gegenüber aufgeschlossen sein und Verständnis dafür haben, ja geradezu danach verlangen.“

Ich hielt dagegen:

 „Das ist manchmal so, aber nicht immer. Es kommt auf das Kind an. Ein Kind ist nicht wie ein programmierbarer Computer, das man nur mit den richtigen Inhalten füttern muss, damit eines Tages das entsprechende Ergebnis ausgegeben wird. Mein Sohn hat sich weder für Theater, noch für Ballett oder Oper interessiert. Wir haben ein paar wirklich gelungene, altersgerechte Aufführungen besucht im Theater der Jugend in München und im Nationaltheater. Während mir das Herz höher schlug, fand er das alles schrecklich langweilig. Das Leben ist kompliziert.“

H. ist ledig, 43 Jahre alt und hat keine Kinder (vor ein paar Jahren wurde sie schwanger, da hat sie abgetrieben).
Deshalb denkt sie so!

Ausbildungsplatz als Elektroniker gesucht

1. April 2009

Die vorerst letzte Absage – keine offenen Antworten mehr😦

Wir schmieden Pläne für Alternativen.

Die „männliche Bezugsperson“

22. März 2009

Immer wieder heißt es, Kinder bräuchten zwar nicht unbedingt einen Vater, aber eine „männliche Bezugsperson“ sollten Kinder idealerweise haben. Das kann ein guter Freund, ein Onkel, ein Pfarrer, ein Lehrer oder ein Fußballtrainer sein.

Mit diesem Argument lässt sich wunderbar argumentieren, dass Väter eigentlich entbehrlich und ersetzbar sind – woran vor allem Alleinerziehende und Lesben-Paare mit Kindern Interesse haben, damit ihr Lebensmodell akzeptiert und gefördert wird. Und damit sie fühlen, dass sie das Richtige tun. Ohne Vater.

Sind Väter ersetzbar? (Bild © vision images - Fotolia.com)

Sind Väter ersetzbar? (Bild © vision images – Fotolia.com)

So schön die Theorie klingt – in der Praxis klappt das meistens nicht!

Denn: Bis ein Kind richtig erwachsen ist, braucht es ca. 20 Jahre. 20 Jahre sind eine lange Zeit! In 20 Jahren verändern sich die Menschen, mit welchen wir zu tun haben. Sie wechseln den Wohnort, ändern ihre Interessen, suchen sich andere Freunde, machen Karriere, heiraten, bekommen selbst Kinder, wandern aus, bekommen Depressionen, schließen sich obskuren religiösen Gruppen an, werden kriminell usw.

Ich bin mitten im Studium, mit 23 Jahren, schwanger geworden. Eine Sensation! Ich war die erste von meinen Freunden und in meiner Familie (1 Schwester, 2 Cousinen). Alle waren sehr interessiert. Mein damaliger Liebhaber verließ mich zu meinem großen Schmerz sofort, aber meine sonstigen Freunde, auch die männlichen, waren sehr an meinem Sohn interessiert. Alle waren solidarisch mit mir, alle unterstützten mich.

Es gab mehrere Freunde, die sich sehr für meinen Sohn interessiert haben. Aber das alles ist total unverbindlich, einfach weil das Leben nicht geradlinig verläuft! Und weil junge Leute jung, oberflächlich und naiv sind (auch wenn sie sich für tiefsinnig und weise halten!) Den Großteil des damaligen Interesses an meinem Sohn, dem unehelichen Kind ohne Vater, und mir, der versehentlich schwanger Gewordenen, würde ich heute als ‚romantisch verklärt’ bezeichnen. Diese Freunde studierten weiter, ich hingegen interessierte mich immer mehr für Windeln und Spielplätze – der Kontakt flachte bald ab und kam nach ca. 2-3 Jahren ganz zum Erliegen.

Mein damals bester Freund, der sich in den ersten Jahren regelmäßig um meinen Sohn kümmerte, zog nach wenigen Jahren studienbedingt weit weg, lernte eine Frau kennen, zog mit ihr zusammen, wir verkrachten uns aus geschäftlichen Gründen, er wurde irgendwann depressiv – wir haben zwar noch Kontakt und sind befreundet, aber von Bezugsperson zu meinem Sohn kann überhaupt keine Rede mehr sein! Auch andere Freunde sind mit meinem Sohn mal Drachensteigen gegangen u.ä., aber das ist überhaupt kein Vaterersatz!

Solange ein Kind noch klein und süß ist, und die Mama jung und attraktiv, ist es nicht schwer, ‚männliche Bezugspersonen’ für sein Kind zu finden. No problem! Aber was, wenn das Kind sich zu einem jugendlichen Rebellen entwickelt, der Hip Hop statt Beethoven hört, sich einen Dreck für die Interessen der ‚männlichen Bezugsperson’ interessiert, frech ist und die männlichen Bezugsperson feststellt, dass es mit der Latein-Nachhilfe wohl doch nichts wird, weil sein Schützling faul auf der Hauptschule herumlümmelt?

Wer, außer ein Vater, kann sowas durchstehen? Wer, außer ein Vater, bringt die Kraft auf, solche Jahre in unendlicher Geduld, stundenlangen Diskussionen, immer neuen Anläufen zu seinem Kind durchzustehen?

Wer steht sowas wirklich durch?

Wer steht sowas wirklich durch? (Bild©GalinaBarskaya-Fotolia.com)

Wenn es wirklich hart auf hart kommt: ist die männliche Bezugsperson in aller Regel längst über alle Berge und frau steht alleine mit ihrem rebellierenden Teenager da!

Wenn es wirklich hart auf hart kommt: brauchen Kind und Mama einen Vater! Und damit es gar nicht erst wirklich hart auf hart kommt, braucht ein Kind erst recht einen Vater!

Disclaimer: nein, ich bin nicht naiv. Ich weiß, dass Väter auch versagen können. Ich weiß, dass es Einzelfälle gibt, in welchen es toll funktioniert hat mit der männlichen Bezugsperson. Ich rede hier von Wahrscheinlichkeiten, von der großen Linie, sozusagen von Gesetzmäßigkeiten des Lebens, von denen es natürlich Abweichungen gibt.

Der beste Podcast aller Zeiten für ratlose Eltern

21. März 2009

Der beste Podcast aller Zeiten für ‚parents of struggling teens’, also für Eltern, deren Kinder im Teenager-Alter schwierig sind ist:

Heartlight Radio

Heartlight Radio with Mark Gregston

Heartlight Radio with Mark Gregston

Man kann den Podcast (1 x wöchentlich) kostenlos downloaden oder sogar im iTunes abonnieren! Ich höre diesen Podcast seit einem Jahr. Die ca. 50 Minuten lange Radiosendung steht bereits samstags zum Abruf bereit. Ich höre sie mit meinem iPod immer am Sonntag, meinem „Heartlight“ Tag.

Zum Download bitte hier (link klicken!) entlang.

Man muss sich bei oneplace anmelden, um die Downloadberechtigung zu bekommen, aber ich wurde noch nie mit Werbung oder Spam belästigt, kann das also vorbehaltlos empfehlen. Sich zu registrieren ist sogar praktisch: wenn man noch andere Radiosendungen abonniert (alles christliche Sender, es gibt zu mannigfaltigen Themengebieten Sendungen) kann man diese Abos nämlich in seinem kostenlosen Account verwalten.

Jeden Sonntag erhalte ich durch Mark Gregstons Radiosendung einen wichtigen Impuls, den ich meist versuche, sofort in die Tat umzusetzen. Zum Beispiel habe ich von Mark Gregston gelernt, dass ich besser nicht dauernd reden und an meinem Sohn herumkorrigieren sollte, sondern mich ganz bewusst zurücknehmen sollte und abwarten sollte, ob er nicht selbst anfängt, von sich zu erzählen. Ein Vorschlag Mark Gregstons an die Eltern war, einfach einmal einen ganzen Nachmittag lang gar nichts zu sagen. Seither kontrolliere ich mich in dieser Hinsicht viel mehr und stelle meinem Sohn auch mehr Fragen als früher und lasse sogar manchmal Meinungen oder Einstellungen von ihm im Raum stehen, die mir gar nicht gefallen: ich beiße mir auf die Zunge und nehme mir vor, das Thema später oder ein anderes Mal noch einmal anzusprechen.

Mark Gregston ist für mich fast so etwas wie ein Engel – er hat mir, allein durch seine wöchentliche Radiosendung, sehr geholfen. Er hat mich immer wieder bestärkt und mir wichtige Einsichten und Inspirationen gegeben.

Mark Gregston ist ein (ich glaube, extrem begabter, geradezu genialer) Pädagoge und hat mit seiner Frau eine Art christliches Internat gegründet, in der so um die 40 Teenager je nach Bedarf zwischen 3 Monaten bis ca. 1 Jahr betreut werden können. Eltern, die überhaupt nicht mehr weiter wissen, deren Kinder weggelaufen sind, Schule geschwänzt haben, Drogen und Alkohol konsumierten, häusliche Regeln ignoriert haben und extrem respektlos sind usw., können Ihr Kind dort eine Zeit lang unterbringen. Die Teenager wohnen mit Betreuern dort in Wohngruppen zusammen in einer wunderschönen Anlage, in großen Blockhäusern und werden dort auch unterrichtet. Die Regeln sind sehr streng. Das ganze ist christlich-evangelikal, aber sehr bodenständig und nicht etwa weltfremd ausgerichtet. Hier kann man sich die Einrichtung ansehen.

Sein Kind dort unterzubringen ist sehr teuer, das können sich nur wirklich wohlhabende Eltern leisten – und es ist ja auch nur für eine beschränkte Zeit gedacht, um dem Kind und den Eltern aus der schwierigen Phase zu helfen.

Wenn Sie das hier lesen und jemanden kennen, der/die eine schwierige Phase mit seinem/ihrem Teenager durchmacht und Englisch versteht, geben Sie bitte diesen Podcast-Tipp weiter!

Wenn man den Podcast abonniert, kann man auch alle Sendungen bis Juli 2008 abrufen –äußerst hörenswert, hilfreich, inspirierend!

Mark Gregston hat auch Bücher, CDs und DVDs produziert. Die habe ich aber noch nicht getestet. Ich vermute aber, dass die auch sehr gut sind. Hier kann man seine Bücher usw. ansehen und bestellen, z.B. sein Buch „When Your Teen is Struggling“.

Das hier ist kein Werbe-Posting, sondern ich hoffe, dass Eltern, die davon ebenso profitieren können, an die Info kommen, dass es ihn gibt! Aber man muss Englisch verstehen, der Podcast ist auf Englisch!

Seit kurzem gibt es auch die Möglichkeit, eine tägliche, ganz kurze eMail von Mark Gregston zu abonnieren. Diese besteht nur aus wenigen Zeilen, gibt aber täglich einen klugen Rat oder eine Ermutigung oder einen Gedanken, der mich zum Nachdenken bringt.

Im Leben gibt es nichts umsonst

20. März 2009

In den letzten Jahren hat mein Sohn mir immer wieder Geld aus der Geldbörse gestohlen. Manchmal war ich mir nicht sicher. Es gab ein paar Mal großen Krach und in letzter Zeit hat das aufgehört – war mein Eindruck.

Nun ist mein Sohn auf Klassenfahrt (Hauptschul-Quali-Abschlussfahrt) in Berlin. Er wollte unbedingt einen Laptop mitnehmen. Da er keinen besitzt, wollte er einen von meinen drei Laptops, die aber alle drei für mein Unternehmen wichtig sind und auch ausschließlich dafür bestimmt sind, mitnehmen. Ich habe es ihm sehr deutlich und ausdrücklich streng verboten.

Laptop und Internet

Mit auf Klassenfahrt nehmen - streng verboten. (Bild© HLPhoto-Fotolia.com)

Gestern habe ich bemerkt: ein Laptop fehlt. Habe sofort meinen Sohn in Berlin angerufen. Der leugnete erst, gab es dann aber gleich zu: ja, er habe meinen Laptop dabei.

Ich konnte es nicht fassen. Diese Missachtung von Eigentum, Regeln, die Ignoranz gegenüber den Interessen meiner Firma (Neustart), von deren Erfolg wir finanziell abhängen, und das charakterschwache Lügen und mich-Hintergehen bringen mich zur Weißglut.

Was sollte ich nun tun? Eine unmissverständliche Konsequenz, ein klares und schmerzhaftes Zeichen muss sein! Zuerst wollte ich seinen supertollen extremschnellen  und teuren Game-Computer, den er erst zu Weihnachten bekommen hat, verkaufen. Dann sagte ich mir: erstmal cool down. Ich neige oft zu unüberlegten Schnellschlüssen. Hier muss eine kluge Lösung gefunden werden.

Ich kam auf die Idee, im Internet zu suchen, was andere Eltern in solchen Situationen machen: google „Mein Sohn klaut“.

Sofort stieß ich auf diese (Link klicken!) Website.

Zitate:

„(…) Er ist übrigens 12 Jahre alt und ich bin allein erziehend“

„(…) bin alleinerziehende mama von 3 jungs und er macht mir am meisten schwierigkeiten und ich werde doch bald das jugendamt einschalten“

„(…) die ki-psych hat mir nahegelegt.. meinen sohn in ein internat zu geben. ich bin auch alleinerziehend und (…)

Super, dass heutzutage Beruf und Kinder so klasse unter einen Hut zu bringen sind. Dank Frau von der Leyens Kinderkrippenplätze in Zukunft ja noch mehr! Bahn frei für die „Einelternfamilie“!

Nun ja, brauchbaren Tipps habe ich auf dieser Diskussionseite keine gefunden, aber ich habe mir selbst etwas ausgedacht. Beruflich will mein Sohn später mal programmieren oder sowas in der Richtung machen. Mit einem Hauptschulabschluss hat er da aber erstmal keine Chance.

Die Strafe fürs Laptop-Klauen wird sein: Er wird keinen Internet-Anschluss mehr haben. Um diesen wieder zu bekommen wird er – mit meiner starken Unterstützung (ich hab’ne Ausbildung in der Richtung) – ein Buch durcharbeiten, womit er spielerisch Visual C# programmieren lernt. Es gibt im Leben halt nichts geschenkt. Auch nicht meinen Firmenlaptop.

Wenn er mit dem Buch fertig ist – es wird ca. 2 Monate dauern, wenn er (wir) dran bleiben – bekommt er sein Internet-Kabel wieder und kann wieder chatten und online ‚zocken‘. So hat er erstens ein wirklich großes und schwieriges Ziel erreicht, das weit über die lauen Hauptschul-Anforderungen hinausgeht. Zweitens findet er vielleicht tatsächlich Spaß am Programmieren und hat ein neues Hobby. Drittens wird er zum ersten Mal erleben, dass man sich selbst etwas beibringen kann – dass man ein selbst gestecktes Ziel mit zäher Ausdauer erreichen kann. Könnte eine Lektion fürs Leben sein. Viertens: wenn er – trotz meiner Unterstützung – scheitert, weiß er, dass Programmieren und Ähnliches beruflich doch nicht in seiner Richtung sind und orientiert sich eher in eine handwerklichere Richtung, sowas wie Installateur oder Malerhandwerk.

Nun heißt es konsequent sein und hart bleiben. Das wird nicht einfach in den nächsten Wochen/Monaten, glaube ich.

Morgen kommt er aus Berlin zurück. Das Internet-Kabel habe ich bereits abgebaut (durch 2 Wände).

Wenn ich nochmal ganz von vorne anfangen könnte, würde ich mit Mann (!) und Kind nach Österreich ziehen und die ersten vier bis fünf  Schuljahre meine Kinder selbst unterrichten (Home Schooling). Vielleicht ist das ein wenig größenwahnsinnig. Aber die Lust am Lernen ging bei meinem Sohn definitiv während der Grundschulzeit verloren. Sich ein Ziel zu stecken, zäh dafür arbeiten und das Ziel erreichen – das hat er glaube ich noch nie so richtig erlebt. Und das ist in meinen Augen das, worum es in der Schule wirklich geht.

Über Home Schooling ein anderes Mal mehr. Eine Schande, dass das in Deutschland verboten ist. Der Staat weiß bei  uns ja besser Bescheid, was für unsere Kinder gut ist – nicht die Eltern. Das Verbot des Hausunterrichts geht übrigens auf das Dritte Reich zurück, 1938 wurde das Reichsschulpflichtgesetz erlassen.

„The only time my education was interrupted was when I was in school.“ George Bernard Shaw

Bildung und Jugendgewalt

17. März 2009

Der Besuch eines Gymnasiums verringert für Jugendliche aller Nationalitäten das Risiko der Täterschaft; Bildung schützt also vor Konflikten mit dem Gesetz.

(Zitat aus dem FAZ Artikel: Jugendgewalt rückläufig vom 17.03.2009)

Falsch! Nicht die Bildung schützt vor Konflikten mit dem Gesetz! Und nicht der Besuch des Gymnasiums!

Schützt Bildung vor Kriminalität? (Foto©Philippe Minisini/Fotolia.com)

Schützt Bildung vor Kriminalität? (Foto©Philippe Minisini/Fotolia.com)

Sondern die Tatsache, dass auf das Gymnasium prozentual mehr Kinder aus bildungsbürgerlichen Vater-Mutter-Kind(er)-Familien gehen als auf die Real- und v.a. Hauptschule und weniger Kinder von Alleinerziehenden, Migrantenfamilien, Familien mit Alkohol-, Drogen-, Gewalt-, Vernachlässigungsproblemen. Vor allem tradiert dieses Bildungsbürgertum, deren Kinder am Gymnasien überproportional präsentiert sind, einen bestimmten Wertekanon innerhalb der Familie:

  • positives Arbeitsethos
  • Ehrgeiz
  • innerfamiliärer zivilisierter sozialer Umgang miteinander
  • Begeisterungsfähigkeit
  • strukturierter Tagesablauf
  • Wissensdurst
  • Interesse an Kultur
  • kontrollierter, mäßiger Medienkonsum (Fernseher, PC)
  • Verlässlichkeit
  • gewaltfreie Konfliktösungsstrategien
  • kulturelle Übereinstimmung von Elternhaus und schulischem Umfeld
  • positives Verhältnis zu Leistung
  • Basistugenden wie Pünktlichkeit, Ordentlichkeit
  • etc.

Diese Werte, und nicht die Bildung, schützen davor kriminell/gewalttätig zu werden. Die Bildung ist nur ein weiteres Resultat dieser Werte.

Meine Erfahrung mit der Hauptschule ist:

Sobald mein Sohn auf der Hauptschule war, begann ein Teufelskreis. Denn nun war die Schule ein Umfeld, aus dem Kinder mit ‚gutem’ sozialem Hintergrund bereits ausgefiltert waren! Auf der Hauptschule sind Kinder mehrheitlich aus kaputten Familien oder von Alleinerziehenden, aus Migrantenfamilien (kulturelle Konflikte), aus chaotischen Elternhäusern (Gewalt, Alkohol, Drogen, Vernachlässigung, Desinteresse).
Die Schule ist aber der Dreh- und Angelpunkt der Kinder. Dort suchen sie sich ihre Freunde!

Das Ganze ist eine sich selbst verstärkende, negative Spirale nach unten. Schlechte Werte sind normal und die Kinder leben sich diese gegenseitig vor.

Die Hauptschule ist in meinen Augen schon lange keine Schule mehr für intellektuell weniger Begabte, sondern eine Schule für den sozialen Bodensatz der Gesellschaft. Die Kinder dieses Bodensatzes sind so leistungsschwach, weil ihnen Basistugenden fehlen, weil sie falsche Vorbilder haben: weil sie durch ihren familiären und/oder kulturellen Hintergrund so belastet sind, dass sie keine innere Ruhe und nicht die innere Spannkraft haben, für die Schule zu arbeiten. Deshalb sind sie leistungsschwach und teilen sich die Schulbank mit intellektuell tatsächlich weniger Begabten. Und langweilen sich – was alles noch schlimmer macht.

Leute, die denken „Bildung schützt vor Konflikten mit dem Gesetz“ ignorieren all diese Wahrheiten aber, weil diese Wahrheiten politisch nicht korrekt sind.
Sie widersprechen dem linken Wunschdenken, dass, würden alle Menschen finanziell gleichgestellt sein, auch alle Kinder die gleiche Leistung bringen könnten. Sie widersprechen dem feministischen Denken, dass es ganz unerheblich sei, ob Kinder mit oder ohne Vater aufwachsen. Sie widersprechen auch einem Laissez-Faire-Denken à la Rousseau, das die menschliche Natur im instinktgeleiteten Urzustand als ‚unschuldig gut’ begreift und die komplizierten, erdrückenden Regeln und Einschränkungen, die wir unseren Kindern durch die Erziehung aufdrücken, als antiquierte Moralvorstellungen, welche den Menschen nur an seiner Selbstentfaltung hindern, verstehen.

Der neue Mensch und die Tintenpatronen

14. März 2009
Die Tintenpatrone - Gefahr oder Segen?

Die Tintenpatrone - Gefahr oder Segen? (Bild©Falco/Fotolia.com)

In der siebten Klasse Hauptschule meines Sohnes war Fr. M. Klassenlehrerin. Frau M. war jung, sehr nett, sehr engagiert, mit feurigem Herzen bei der Sache, sehr bemüht um jeden Schüler.

Eines Tages kam mein Sohn nach Hause und sagte, ich sollte ihm einen Einsatz für seinen Füller kaufen. Dazu ein Tintenfass. Man kann den Füllereinsatz im Tintenfass aufziehen und so befüllen. Statt einer Tintenpatrone steckt man dann den mit Tinte aus dem Tintenfass befüllten Einsatz in den Füller. Die Lehrerin habe allen dringend dazu geraten, das zu kaufen.

Ich wunderte mich ein wenig über diese Anschaffung, denn was für einen Vorteil sollte das bringen? Verbesserte das die Schreibeigenschaft des Füllers? Das Tintefass läuft entweder über kurz oder lang aus, wenn mein Sohn seine Tasche irgendwo in die Ecke pfeffert oder er vergisst es zu Hause. Außerdem hatte ich aus meiner Schulzeit Erfahrungen mit antiken, aufziehbaren Füllern gesammelt, die ich aus einem romantischen Gefühl heraus eine Zeit lang verwendete. Sie liefen immer mal wieder aus und man hatte eine Sauerei im Federmäppchen. Wo ist der Vorteil?

Als brave Mama kaufte ich ihm aber den Einsatz und ein Tintenfass.

„Was für einen Vorteil soll denn dieser Einsatz haben?“ fragte ich meinen Sohn, als er den Einsatz in seinen Füller einbaute.

„Das ist, damit man nicht immer die Plastik-Tintenpatronenhülsen wegwerfen muss“, klärte mich mein Sohn auf.
„Wegen der Umweltverschmutzung und dem Klimawandel, hat Frau M. gesagt“.

Fr. M. sorgte sich um eine korrekte Umwelterziehung und kämpfte mittels Einsparung von Tintenpatronen gegen den Klimawandel? Während ein großer Teil der Jungs und Mädels aus der Hauptschul-Klasse vorrangig folgende grundsätzliche Probleme haben:

  • fehlende Basistugenden wie Pünktlichkeit, Ordnungssinn
  • mangelnde Motivation
  • unausgeglichenes Gefühlsleben
  • schwierige Elternhäuser (Scheidungen, Alleinerziehende, Unternehmerfamilien ohne Zeit)
  • mangelnde Selbstdisziplin
  • mangelndes Durchhaltevermögen
  • kurze Aufmerksamkeitsspanne
  • Respektlosigkeit

Bei diesen tiefgreifenden Problemen sind Plastiktintenpatronenhülsen ganz sicher ein Menschheitsproblem, dessen Bedeutung auf der Dringlichkeitsskala auf Platz Nr. 388 367 451 128 liegt. Angesichts dieser Probleme ist der Ersatz der praktischen Tintenpatronen durch einen aufziehbaren Einsatz mit Tintenfass sogar kontraproduktiv.

Denn: Wie sollen die Kinder Ordnungssinn lernen, wenn sie dazu angehalten werden, sich mit solch einem Unfug aufzuhalten? Wie sollen sie lernen, Prioritäten zu setzen um sich selbst zu helfen und ihre eigenen Probleme zu lösen?

Klasse 7a lernte bei Fr. M. auch, dass die Welt durch CO2 Verschmutzung bald untergehen würde, indem sie den Film „Eine unbequeme Wahrheit“ von Al Gore vorführte, der meinen Sohn schwer beeindruckte. Ich zeigte meinem Sohn anschließend den Film „The Great Global Warming Swindle“ mit deutschen Untertiteln. Seither sieht er die Sache wieder recht entspannt.

Hotel Mama

10. März 2009

Gestern:

Mein Sohn (in gnädig-versöhnlichem Ton):

Mama, wenn Du dann nicht nervst, dann bleibe ich auch noch bei Dir wohnen, wenn ich eine Ausbildung mache.

Ich:

Wenn Du dann nicht nervst, und nur unter dieser Voraussetzung, dann darfst Du auch noch bei mir wohnen, wenn  Du eine Ausbildung machst.

😀

Zukunftsangst

10. März 2009
Die x.te Absage

Die x.te Absage

Als ich mich freuen sollte

9. März 2009

Folgenden Text habe ich mir Anfang letzten Jahres von der Seele geschrieben, als ich merkte, dass meine Gefühle in eine ganz andere Richtung gingen, als es von mir erwartet wurde. Eine Freundin (39) hatte mir vertraulich eröffnet, sie sei schwanger.

diesmal sollte ich mich freuen (Bild © Spectral-Design - Fotolia.com)

(Bild © Spectral-Design - Fotolia.com)

Ich bin wütend.

Was erwartet sie? Dass alle zuckersüß eine Aufwartung machen und ihr strahlend zu dem freudigen Ereignis gratulieren, als wäre sie nicht allein, mittellos, mit unsicherem Job, gesundheitlich stark angeschlagen, selbst wieder von ihren schon erheblich gealterten Eltern abhängig und als wäre das Kind nicht von einem Mann, der bereits vergeben ist – der verheiratet ist? Als wäre das Kind nicht wieder Ergebnis eines grenzenlosen Egoismus, der mal so eben mit dem Feuer spielt, mit einem Menschenleben, das dabei heraus kommen könnte und nun auch kam. Als wären all diese Umstände vernachlässigbar, weil sie in ihrer grenzenlosen Egomanie meint, sie allein würde in ihrer Person all das vereinen, was das Kind zu einem glücklichen Leben bräuchte, ihre Liebe und ihre Fähigkeiten allein würden das Fehlen einer stabilen Situation gewissermaßen überstrahlen, ihr liebevolles Lächeln allein würde den Tag in der Kinderkrippe und die Sehnsucht und die verpasste Nähe kraft ihrer alles überwindenden Person wiedergutmachen?

Soll ich ihr dazu gratulieren, dass sie, sollte sie nicht schleunigst den Kurs ihres Lebens mit aller Kraft und Anstrengung um 180° drehen, indem sie den Esoterik-Unsinn an den Nagel hängt, ebenfalls an den Nagel hängt irgendeinen höheren Sinn/Erkenntnis/Gewinn aus komplizierten und unethischen Beziehungen gewinnen zu wollen, und sich sofort statt dessen einen Versorger sucht und mit ihm stockkonservativ eine Familie gründet, geradewegs darauf zu rennt, mit allergrößter Wahrscheinlichkeit und unwiderruflich ein Sozialfall zu werden?

Soll ich ihr dazu gratulieren, eine so haarsträubenden Dummheit gemacht  zu haben, wie sie nur naive, ungebildete und wertemäßig verwirrte 16-jährige machen? Mit fast 40? Und soll ich ihr dazu gratulieren, dass sie sich für gebildeter, ethischer und weiser als eine 20-jährige Frisöse zu halten, die nicht mit verheirateten Männer in der Welt herumvögelt, die statt dessen ihren Freund geheiratet hat, weil sie bescheiden genug ist, auf viele Abenteuer zu verzichten weil sie intuitiv weiß, was für das Kind gut ist, das sie sich wünscht? Soll ich ihr dazu gratulieren dass sie all das nicht getan hat und stattdessen ein geisteswissenschaftliches Orchideenfach studiert hat, den Aszendenten ihres Kindes wird ausrechnen können und dies für klug hält und für pädagogisch sehr wertvoll?

Soll ich ihr dazu gratulieren, dass sie auch mit 40 noch nicht begriffen hat, dass Familie etwas anderes ist als Freunde und dass sie schreckliche Enttäuschungen erleben wird, wenn sie sich mit ihrem Kind auf ihren Freundeskreis verlassen wird?

Soll ich ihr dazu gratulieren, dass sie derart egoman ist, zu glaube, es gäbe für ihr Kind nichts und niemanden besseres als sie selbst, sie selbst, die in den letzten 20 Jahren durch das Leben mehr wie eine Betrunkene getorkelt ist als geraden festen Schrittes gegangen? Die denkt dass sie und nur sie oder der Tod die einzig ethisch vertretbare Möglichkeit ist für ihr Kind, weil sie auf Menschen herabsieht, die ein in ihren Augen materielles und unerleuchtetes Leben führen, weil sie auf Menschen herabsieht, die klaren Auges mit den konkreten Widrigkeiten des Lebens umgehen und damit fertig werden und trotzdem ein warmes, gutes Herz haben, die niemals abtreiben würden weil sie das Leben lieben und sich nicht mit irgendwelchem karmischen Unsinn abgeben, die zwar Gartenzwerge im Vorgarten stehen haben, aber Achtung vor der Heiligkeit der Beziehungen solcher haben, die sich ehelich einander versprochen haben, die sich niemals in solche Beziehungen einmischen würden, die nicht ihre kostbare Zeit, Energie, ihren Geist und ihre Lebenskraft mit abgehobenen Theorien einer halb wahnsinnigen selbst ernannten esoterisch-spirituellen Größe verschwenden sondern statt dessen zäh und ausdauernd ein konkretes Nest bauen mit allen menschlichen Schwächen und Fehlern aber auch mit der menschlichen Festigkeit, Verlässlichkeit, Wärme  und Liebe, die das Leben erst lebenswert macht?

Soll ich ihr dazu gratulieren, dass sie, wenn sie diesen Weg auch nur annähernd weitergeht, eines Tages die größten Schuldgefühle ihrem Kind gegenüber haben wird und sich nichts mehr wünscht, als all ihre Dummheit, ihre egomane Ignoranz wieder gutmachen zu können?

Immerhin gratuliere ich zu dem Entschluss, diesmal nicht abzutreiben. Es ist ein Schritt in die richtige Richtung, wenn auch vermutlich nicht so intendiert.

Vererbte Werte – vererbte Armut

8. März 2009

Im Mietshaus schräg gegenüber von mir wohnt eine Familie. Vater, Mutter, zwei arbeitslose, erwachsene Söhne. Deren Oma, die schlecht gehen kann, wohnt ein paar Straßen weiter oben am Berg. Der eine Sohn ist ein sehr gutmütiger, ordentlicher, freundlicher junger Mann, ich glaube, er ist geistig leicht eingeschränkt. Der andere Sohn blickt immer finster drein, fährt mit laut wummernden Bassboxen im Auto durch die Gegend und hat regelmäßig Besuch von einem übergewichtigen, glatzköpfigen Neonazi.

Von dieser Familie will ich heute erzählen. Um zu veranschaulichen, was Armut eigentlich ist, und wie Armut weitervererbt wird.

Der Vater arbeitet, aber ich vermute, er verdient nicht viel, denn in der Straße, in der ich wohne, wohnen nur Leute, die nicht viel Miete zahlen weil sie sich irgendwo im unteren Drittel der sozialen Skala befinden (Unterschicht). Immerhin hat diese Familie ein Auto.

Bis vor kurzem hatte ich auch noch ein Auto. Ab und zu kam es vor, dass die Mutter dieser Familie zu mir rüber kam und mich fragte, ob ich nicht die Oma nach Hause fahren könnte. Der Vater war mit dem Auto in der Arbeit und ich machte das gerne. Die Oma war wirklich gehschwach und auch sonst gesundheitlich stark angeschlagen. Nachbarschaftshilfe!

Dann habe ich mein Auto verkauft. Da passierte es zum ersten Mal, dass ich mich wunderte. Wieder kam die Mutter rüber und fragte, ob ich für sie Auto fahren könnte. Gerne – aber ich hätte leider kein Auto mehr, informierte ich die Mutter. Oh, das habe sie gesehen, aber ich könne ihr eigenes Familien-Auto verwenden – ihr Mann sei nicht da, und sie selbst habe ja kein Führerschein und ihr Sohn (der brave, gutmütige), der auch mitfahren sollte, auch nicht. Kein Problem, sagte ich, ich bin in 5 Minuten am Auto. Dort erwartete mich aber nicht die gehbehinderte Oma – sondern die Mutter mir ihrem Sohn. Fährt die Oma diesmal gar nicht mit? fragte ich. Nein, die wäre zu Hause. Zum Frisör sollte ich die beiden fahren.

Zum Frisör? Der Frisör war ca. 10 Gehminuten entfernt.

Ohne Oma? Hatte die Mutter sich verletzt und konnte nicht richtig laufen? War dem Sohn etwas am Fuß zugestoßen?

Beide wirkten fit und gesund. Ich sagte nichts, fuhr die beiden mit deren Auto dort hin, fuhr alleine zurück, warf den Schlüssel wie verabredet in deren Briefkasten und nahm an, dass sich wohl eine der beiden Personen tatsächlich verletzt haben musste, obwohl man das auf den ersten Eindruck hin nicht bemerkte.
Vielleicht eine Sehnenzerrung, Probleme am Miniskus oder sowas.

Auf die Idee, sich von der Nachbarin um die Ecke zum Frisör chauffieren zu lassen, würde doch sonst kein Mensch kommen.
Oder?

Doch.
Zwei Wochen später kam an einem Samstag die Mutter wieder zu mir rüber. Ob ich noch mal so nett sein könnte und für die Familie Autofahren könnte? Der Vater war wieder nicht da … ginge es jetzt gleich?

Ich unterbrach meine Arbeit und ging hilfsbereit zum Auto. Wieder: keine Oma, nur Mutter mit Sohn. Kommt die Oma noch? fragte ich. Nein, antwortete der Sohn, diesmal geht es zum Edeka Einkaufszentrum.

Das Edeka Einkaufszentrum liegt ca. 15 Gehminuten entfernt. Seit ich kein Auto mehr habe, kaufe ich dort regelmäßig mit einem kleinen Einkaufstrolli ein.

Können Sie auch schlecht laufen wie Ihre Mutter – ist etwas passiert? Hatten Sie einen Unfall, sind sie krank?  fragte ich besorgt. Nein nein, sagte die Mutter, es ist nur: mein Mann fährt normalerweise samstags, aber der kann heute nicht, deshalb. Und könnten Sie uns dann auch wieder dort abholen?

Ich soll Sie beide mir Ihrem Auto zum Edeka fahren, dann dort warten bis Sie ihren Einkauf getätigt habe und Sie dann wieder nach Hause fahren?

Ja, antworteten mir beide und die Mutter fügte an: Aber sie müssen ja dort nicht warten, sei können ja zwischendrin nach Hause fahren und in einer halben Stunde kommen sie wieder, länger brauchen wir ja nicht.

Nun wurde mir klar, dass es höchste Zeit war, hier eine Grenze meiner Hilfsbereitschaft zu ziehen.
Ich erklärte, dass ich jederzeit bereit bin, gehkranke Menschen umherzufahren. Allerdings müsse sich eine Familie, die ein Auto hat und zwei junge, gesunde, kräftige Söhne, selbst so organisieren, dass es nicht nötig sei, mich, die kein Auto hat und noch dazu ihre Arbeit unterbrechen muss, als Chauffeur zu benötigen.

Ach es tut mir ja so leid, sagte die Mutter. Mein anderer Sohn, der hat ja einen Führerschein. Aber der ist ja so bös. Sie können sich gar nicht vorstellen, wie der mich manchmal behandelt. Er wollte uns ja heute Einkaufen fahren. Aber er schläft noch. Ich konnt ihn nicht wecken. Sie können sich ja gar nicht vorstellen, wie bös der manchmal ist. Was der zu mir sagt. Wenn ich ihn wecke, dann ist die Hölle los.

Das ist Armut. Armut ist, wenn eine gesunde, relativ junge Mutter mit ihrem ca. 20 Jahre alten gesunden Sohn selbstverständlich davon ausgeht, dass sie die Hilfe einer Nachbarin in Anspruch nehmen muss, um im 15 Gehminuten entfernten Einkaufscenter den Wochenendeinkauf zu erledigen, während der Vater unterwegs ist und der andere Sohn noch schläft. Vererbte Armut ist, wenn nicht einmal der Sohn auf die Idee kommt, dass diese Aufgabe auch ohne Fremdhilfe anders organisiert und bewältigt werden kann. Vererbte Armut ist, wenn der andere Sohn um zwei Uhr nachmittags noch schläft und seine Mutter mindestens verbal bedroht, wenn sie seine Hilfe benötigt.

Armut ist etwas Geistiges. Armut ist das Resultat von Werten, Prioritäten, Lebensentwürfen, von der in der Familie gelebten Kultur (falls überhaupt eine „Familie“ vorhanden ist).

Das konfiszierte T-Shirt

7. März 2009

So sieht das T-Shirt aus, das mein Sohn von einer Verwandten geschenkt bekommen hatte, und das ich aus dem Verkehr gezogen habe:

Das konfiszierte T-Shirt

Das konfiszierte T-Shirt

Mein Sohn bekam dafür ein Neues. Ich habe ihm gesagt: die Mädchen auf dem T-Shirt sehen aus wie Huren.

Die Mädchen sehen aus wie Huren

Die Mädchen sehen aus wie Huren

Ich habe ihm gesagt, Mädchen machen oft früh Sex mit Jungen, weil sie Jungen gefallen wollen, nicht , weil sie das selbst so gerne möchten. Mädchen ziehen sich oft so aufreizend an, weil sie merken, dass die Jungen das toll finden, aber sie wissen nicht, dass die Jungen es deshalb toll finden, weil es sexuell aufreizend ist. Die Mädchen verstehen nicht, welche Knöpfe sie bei den Jungs drücken, wenn sie mir kurzer Hose und bauchfreiem Top in die Schule gehen. Aber sie finden es toll, wenn sie dann von den Jungen umworben werden.

Noch vor zwei Jahren waren die Zimmerwände meines Sohnes voller Bravo-Poster von Rappern wie 50 Cent, Bushido und fast-pornographischen Bildern von fast nackten weiblichen Popstars. Zum Beispiel dieses Bravo-Poster:

Die BRAVO Welt

Die BRAVO Welt

Ich habe die vor zwei Jahren alle abgehängt und solche Bilder bei uns verboten. Bravo & Co gibt es bei uns seither nicht mehr. Ich habe nach alternativen Magazinen gesucht, aber es gibt eigentlich nichts. Die christlichen Magazine sind gut, aber so deutlich auf bekennende christliche Jugendlichen zugeschnitten, dass sie für meinen Sohn, der sich nicht einmal konfirmieren ließ (trotz meinen Überredungsversuchen) nicht wirklich lesbar sind. Ich habe es mit einem englischsprachigen Magazin für Jungen probiert, das ist hervorragend gemacht, aber leider ist es sprachlich zu schwer.

Ich habe angefangen, mich bei meinem Sohn regelmäßig über die Rap-Liedertexte zu beschweren. Deutschen Rap schaltet er in meiner Gegenwart aus. Ich glaube, er hat dadurch erst ein Bewusstsein von der Art der Texte bekommen, und wie negativ die sind (er hört sie trotzdem gerne).

Auf was ich hinaus will ist:

Ich habe in den letzten Jahren verstanden, dass man entweder sein Kind erzieht – dann braucht man auch die Zeit und Muße dazu. Oder man lässt es bleiben – dann hat man mehr Zeit für andere Sachen im Leben, z.B. für seine Karriere.

Ich glaube, ich habe meinen Sohn lange Zeit nicht wirklich erzogen. Natürlich, Benimmregeln am Tisch, das Zimmer aufräumen, den Nachbarsjungen nicht verhauen. Das schon. Aber alles was darüber hinaus geht: da habe ich mich voll auf Schule, Bücher, Freunde, Lehrer, Hort, Erzieher im Hort usw. verlassen … habe da nicht so genau hingeschaut – konnte gar nicht so genau hinschauen, weil ich ja meist in der Firma und nicht zu Hause war.

Am Wochenende habe ich die Wäsche gewaschen, die Wohnung sauber gemacht, eingekauft, Sonntags ausgeschlafen. Manchmal etwas mit meinem Sohn unternommen, aber oft war er bei seiner Oma.

Die innere Welt meines Sohnes war mir eigentlich ziemlich unbekannt. Als alles immer schwieriger wurde habe ich angefangen, intensiv darüber nachzudenken, woran das wohl liegen mag. Ich habe sehr lange gebraucht, bis ich begriffen habe, dass der Teufel hier weniger im Detail, als im gesamten Arrangement „Alleinerziehend“ lag.

Und dass die moderne Parole:

„Entscheidend ist die Qualität der gemeinsam verbrachten Zeit für die Eltern-Kind-Beziehung, nicht die Quantität“

nicht stimmt.

Weil: es braucht Zeit, um sich mit der Welt eines Kindes oder eines Jugendlichen auseinanderzusetzen. Es braucht Zeit, um sich eine Meinung über die Inhalte aus Fernsehen, Zeitschriften, dem Internet zu bilden und entsprechend zu reagieren: zu lenken, bewusst zu machen, zu besprechen, zu verbieten, Alternativen zu suchen usw. Es braucht Zeit, um ein materiell gutes Zuhause zu bieten und ein geistig gutes Zuhause. Es braucht Zeit, um auch einfach mal nur da zu sein, anwesend zu sein. Es braucht Zeit, um die Freunde zu beobachten und über sie nachzudenken. Es braucht Zeit, um sich eine so feste Meinung zu bilden, dass man dann auch darüber reden kann. Es braucht Zeit, um zu streiten und Grenzen zu setzen und den Widerstand auszuhalten, es braucht auch Zeit, um sich davon wieder erholen zu können. Es braucht Zeit, zu erinnern, zu mahnen, nachzufragen, interessiert zu sein, oder abends gemeinsam ein Kartenspiel zu spielen.

Und wenn man mit so einem grundfalschen feministischen Weltbild wie ich aufgewachsen ist, braucht man viel Zeit um zu entdecken, dass das Weltbild grundfalsch ist, und dass Jungs ganz anders sind als Mädchen, und dass Jungs ganz dringend Väter brauchen, und man braucht auch Zeit um den Schmerz des Irrtums zu verarbeiten und die Schuldgefühle, dass man einer dummen Ideologie aufgesessen war und deshalb Fehler gemacht hat und dass das eigene Kind, das man so liebt, die Fehler bezahlt.

Erziehen braucht Zeit und es ist eine Horrorvorstellung, wenn wir die Erziehung dem Staat überlassen wollen und sollen. Ich halte Fr. von der Leyens Familienpolitik mit dem Ausbau der Kinderkrippen für eine nationale Katastrophe. Sie meint es gut, aber sie lenkt damit die Familien in die völlig falsche Richtung.

Einheitserziehung im Karateverein

Einheitserziehung im Karateverein

Gender-Mainstreaming: DAS QUIZ!

27. Februar 2009

Rätsel-Quiz mit Abstimmung!
Liebe Blog-Leserinnen und Leser!

Nachdem die Feminist(inn)en vom „Mädchenmannschafts-Blog“ allen Grundsatzdiskussionen längst geistig entwachsen sind, habe ich für Sie heute Fotos gemacht und ein/e Rätsel/Rätselin vorbereitet zum Thema Gender-Mainstreaming!

Fies: zur Orientierung bekommen Sie keinerlei wissenschaftlich erforschte Basisdaten! Sie müssen sich allein auf Ihren gesunden Menschenverstand/in verlassen!

So funktionierts:

Anhand der Bilder aus dem Zimmer – meines Sohnes oder meiner Tochter? –  müssen Sie raten, ob ich einen Sohn (m) oder eine Tochter(w) habe.
Am Ende dieses Threads dürfen Sie abstimmen!

Kleine Hilfestellung:
Alter der Person, deren Geschlecht Sie raten sollen: 16 Jahre
Interessen: Computer, das andere Geschlecht, das andere Geschlecht, Computer, PC, Computerspiele, das andere Geschlecht, Muskeltraining im Fitness-Center, Computer
Wünsche: Mofa, Führerschein, eigenes Auto, eigene Wohnung, Roccat Kone Maus (Features: ProAim Gaming Sensor mit echten 2000 dpi + DCU™, integrierte TurboCore Unit (40MHz). 5 Profile für ultra lange Makros, individuell einstellbare Lichteffekte. 4 leicht einsetzbare Clip-In Gewichte u.v.m.)

Anmerkung: alle männlichen Bezeichnungen im Folgenden schließen natürlich immer das weibliche Geschlecht mit ein und umgekehrt. Die Beschränkung auf eine Form des Geschlechts (wie z.B. „Schrank“ statt „Schränkin“) wurden nicht aus geschlechtsdiskrimierenden Gründen/Gründinnen gewählt, sondern um den Text/die Textin lesbarer zu gestalten. Vielen Dank für Ihr Verständnis!

Und nun zum Quiz!
SOHN oder TOCHTER?
"Stillleben im Regal"

"Stillleben im Regal (I)"

"Schaltzentrale mit Bass-Box"

"Schaltzentrale mit Bass-Box"

"Stillleben II" (Tesafilm, Fahrradschlauch, Nagelscheren, Rasierwasser, Deo)

"Stillleben II" (Tesafilm, Fahrradschlauch, Nagelscheren, Rasierwasser, Deo)

"Stillleben im Regal III"

"Stillleben im Regal III"

"Teppichmotiv" ( - ach ist die süüüüüüß!!)

"Teppichmotiv" ( - ach was für ein süüüüßes Katzenbaby!!)

"Im Kleiderschrank (Stillleben IV)"

"Im Kleiderschrank (Stillleben IV)"

"Disco-Dream"

"Disco-Dream"

Bitte empfehlen Sie dieses Quiz in Ihrem gesamten Bekannt(inn)enkreis weiter, damit ein statistisch ausssagekräftiges Ergebnis entstehen kann! Danke!!!

Das Ende meiner Karriere

25. Februar 2009
Der Anfang und das Ende meiner Karriere<br>(Bild © KölnPhoto - Fotolia.com)

Der Anfang und das Ende meiner Karriere (Bild © KölnPhoto - Fotolia.com)

Nach meiner technischen Ausbildung fand ich eine Stelle im technischen Vertrieb einer großen, international tätigen Firma in München. Wir waren für ein neues, sehr komplexes technisches Produkt zuständig, für das es einen riesigen Markt gab. Ich hatte Glück, dort gelandet zu sein: das war ein Karrieresprungbrett. Da ich aber nicht, wie die anderen, studiert hatte, sondern ’nur‘ eine Ausbildung hatte, war ich zunächst mehr eine Hilfskraft – die anderen hatten die interessanten Kunden und ich konnte bestenfalls einmal eine Vertretung machen, ansonsten nur zuarbeiten.

Ich zeigte aber meine Bereitschaft, mehr Verantwortung zu übernehmen und baldmöglichst ‚meinen eigenen’ Großkunden übernehmen zu wollen. Das wurde misstrauisch-wohlwollend beäugt.

Und dann war es endlich soweit, dass ich zum ersten Mal mehr Verantwortung bekam: ich sollte meine ganze Gruppe auf einer wichtigen internen Konferenz in Berlin vertreten, wofür ich vormittags um 8:00 Uhr hin- und nachmittags wieder zurückfliegen sollte. Da ich bereits um 6:00 das Haus verlassen musste um mit U- und S-Bahn zum Flughafen zu fahren organisierte ich meine immer zuverlässige und hiflsbereite Mutter als Babysitter für meinen kleinen Sohn, den sie gegen 8:00 in die Kinderkrippe bringen würde.

Auf nach Berlin!

Auf nach Berlin! (Bild © Visionär - Fotolia.com)

Um 5:55 wollte meine Mutter bereits bei mir eintreffen, um meinen noch schlafenden Sohn zu übernehmen. Ich stand geschniegelt und gestriegelt um 5:55 bereit … es wurde 6:00 … es wurde 6:05 … es wurde 6:10 … 6:12 … verdammt, ich musste dringend weg – wo war sie?

Ich griff zum Telefon und rief sie an, nutzlos, denn sie würde längst in der U-Bahn sitzen und ein Handy hatte sie damals noch nicht. Tuut – Tuut – da meldete sich völlig verschlafen meine Mutter! Ihr Wecker hatte nicht geklingelt, obwohl er eingestellt war!
Ich kann an dieser Stelle schwören, dass meine Mutter absolut keine chaotische Person ist, sondern im Gegenteil die zuverlässigste, pünktlichste und hilfsbereiteste Frau, die ich kenne. So etwas war noch nie passiert! Ausgerechnet, als ich zum Flughafen musste! Das erste Mal für meine Gruppe!

Sie sprang erschrocken sofort auf und kam per Taxi zu mir durch die halbe Stadt gefahren. Bis sie bei mir eintraf, war es 6:55.
Ich übernahm das Taxi, denn mit U- und S-Bahn (wie ursprünglich geplant) hätte ich das Flugzeug um 8:00 niemals erreicht. „So schnell wie möglich zum Flughafen!“. Der Flughafen liegt außerhalb der Stadt und es war eine lange Fahrt, die Autobahn um diese Zeit nicht gerade leer.
Um 7:58 waren wir am Terminal, ich sprang aus dem Taxi und rannte so schnell ich konnte zum Check-In – zu spät. „Die 8-Uhr-Maschine ist gerade weg.“ teilte mir die Flughafenangestellte mitleidig mit.
Der nächste Flieger, den ich hätte nehmen können, wäre erst 2 Stunden später gegangen. Ich wäre frühestens gegen Ende der Konferenz in Berlin gewesen – völliger Quatsch.

Könnt Ihr Euch vorstellen, wie ich mich fühlte?
Das erste Mal für die Firma mehr Verantwortung, das erste Mal für die Firma auf eine Besprechung nach Berlin fliegen, das erste Mal die ganze Gruppe vertreten und das Flugzeug zu verpassen?

Es war schrecklich. Ich sehe mich noch am Flughafen München zum öffentlichen Telefon gehen (das war noch, bevor jeder ein Handy hatte), die Telefonkarte einschieben, meinen Chef anrufen und sagen:

„Ja also … ich bins … also, sorry, tut mir leid, ich habe den Flieger verpasst, der Babysitter kam nicht. Tut mir leid. Der nächste Flieger in dem ich einen Platz gekriegt hätte, wäre erst in 2 Stunden gegangen. Tut mir echt leid.“

Ich bin dann gleich in die Firma gefahren – mit S-Bahn, U-Bahn. Ich sehe mich noch von der U-Bahn zum Firmenkomplex gehen, vorbei an dem Reisebüro, wo man solche Flüge gebucht hat. Ich habe die ganze Zeit gedacht: das kann einfach nicht sein. Das darf einfach nicht sein. Warum passiert mir das? Warum ist mir das nur passiert? Warum kam meine Mutter ausgerechnet heute zu spät?

Und dann habe ich erkannt:

Ich habe ein Kind. Ich bin die nächsten Jahre immer auf einen Babysitter angewiesen. Dieses Risiko besteht immer. Es ist aufwändig, einen verantwortungsvollen Job mit Dienstreisen zu haben und gleichzeitig ein Kleinkind allein zu erziehen. Das funktioniert nicht. Ich kann keinen eigenen Großkunden übernehmen. Ich habe ein Kind.

Und dann – auf diesem Weg von der U-Bahn ins Firmengebäude – habe ich einen Entschluss gefasst:

Ich muss mir einen anderen Job suchen. Einen, wo sowas nicht passieren kann. Wo ich keine Dienstreisen machen muss. Einen Job, den ich besser mit meinem Kind vereinbaren kann.

Das habe ich dann auch gemacht. Ich habe innerhalb der Firma eine andere Aufgabe gesucht und gefunden, in einem anderen Team. Sehr nette Leute, sehr gutes Klima, weniger stressig (kein Vertrieb) und ich konnte sogar an 2 Tagen die Wochen Teleworking machen! Es passte alles. Es handelte sich um eine einfaches, klar umrissenes und spezialisiertes Aufgabenfeld. Nur: Karriere konnte ich in diesem neuen Job nicht machen.

Entweder – oder.

Dieser Artikel ist auch eine Antwort auf den Blog-Artikel „Die Lohnschere“ auf dem Feministinnen-Blog „Die Mädchenmannschaft„, die natürlich im Großen und Ganzen genau das Gegenteil schreiben und denken wie ich. Jung und naiv, wie sie eben sind (und ich es auch mal war!). Hey Mädels: Keine Karriere – keine Kohle. Ist doch klar, oder?😉

Karrierekaputtmacher-Feminismus

22. Februar 2009

Hörtipp: „Theo.Logik“ vom 16.02.2009 als Podcast. Thema: Familie und Familienbild in der katholischen und evangelischen Kirche

Ein moderner Vater: Nils H.

Nils H. ist verheiratet und hat drei Kinder. Er arbeitet als Software-Entwickler in einer Münchner Firma.

Im Podcast „Theo.logik“ vom 16.02.2009 heißt es über ihn:

„Ein moderner Vater ist Nils H.. Einer, der ganz selbstverständlich nachts aufsteht und die Milchflasche warm macht (…)“¹

Dazu kam mir sofort folgende Frage: Wie will Nils H. ausgeschlafen sein für seinen anstrengenden Job als Software-Entwickler, bei dem er hochkonzentriert arbeiten muss, wenn er nachts aufsteht um die Milchflasche zuzubereiten und dem Kleinen zu geben?
Ich habe beides erlebt: ich bin nachts aufgewacht um meinem Sohn eine Milchflasche zuzubereiten und ihn damit zu stillen. Das dauert alles zusammen mindestens 45 Minuten. Wenige Jahre später habe ich in einer großen Firma in einem technischen Beruf gearbeitet. Dafür brauchte ich Kraft und musste ausgeschlafen sein, wenn ich gute Leistung bringen wollte.

Vaterpflichten?

Von Unmut anderer Väter berichtet Nils H. – Unmut oder Neid von Vätern, die nicht vorbildlich, wie er, Nils H., pünktlich nach Hause gingen, um ihren „Vaterpflichten“¹ nachzugehen und deshalb vermutlich ein schlechtes Gewissen hatten.

Ich denke aber, dass es sich nicht um Vaterpflichten handelte, denen Nils H. nachging, als er pünktlich nach Hause ging. Er ging vielmehr einem modernen feministischen Vaterideal nach. Denn eine Vaterpflicht wäre es, seiner Rolle als Ernährer möglichst perfekt nachzukommen und nicht sich selbst beruflich das Wasser abzugraben, indem er einen Spagat zwischen feministisch diktierten ‚Vaterpflichten’ und Verantwortlichkeit gegenüber seinen Kollegen im Büro vollführt.

Nils H. erzählt auch, dass es in der kleinen Firma, wo er vorher war, unmöglich gewesen wäre, Elternzeit zu nehmen oder wegen der Kinder früher nach Hause zu gehen, und dass er deshalb die Firma gewechselt habe.

Karrierekiller

Ich würde sagen: Nils H. verzichtet freiwillig auf eine Karriere. Nils H. kämpft nicht, um beruflich voranzukommen, sondern Nils H. kämpft, um ein dem Zeitgeist möglichst angepasster, emanzipiert-feministischer Mann zu sein. Mit dieser Einstellung wird er immer ein kleiner Softwareentwickler bleiben (immerhin). Als Tiger gesprungen, als Bettvorleger gelandet.

Und genau das wird auch von sehr vielen Frauen erwartet.

Sehr interessant dazu ist folgender Satz von Nils H.:

„In der letzten Firma, da habe ich viele Diskussionen gehabt: wie lange ich da bin, wie lange ich nicht da bin – also ich habe viele Blicke kassiert, sage ich mal …aber … selbst wenn es mal schwere Zeiten gibt: meine Familie zurückzuholen ist wesentlich schwieriger als mir einen neuen Job zu suchen. Und das ist eben die Grundeinstellung mit der ich an die ganze Sache rangehe.“²

Das ist aber vermutlich vor allem die Grundeinstellung seiner Frau (und überhaupt der meisten Frauen heute), die den Spagat zwischen Beruf und emanzipiert-feministischer Vaterrolle von ihm erwartet. Denn andernfalls riskiert er ja, seine Frau und Kinder zu verlieren, wie er selbst sagt! Da nimmt er lieber die Gefahr in Kauf, Probleme mit Kollegen zu haben oder gar den Job zu verlieren. Verständlich.

Er steht also unter hohem Erwartungsdruck.

Gemeinsam ums Überleben kämpfen oder auf zwei Hochzeiten tanzen?

Ich war selbst ein paar Jahre lang selbstständig und muss sagen: hätte ich Leute eingestellt, wären das nicht Leute wie Nils H. gewesen, der auf zwei Hochzeiten tanzen will: der sowohl Software entwickeln, als auch zum Babyschwimmen will, der sowohl Windeln wechseln als auch die dringende Funktionspezifikation schreiben will. Ich hätte auch keine Alleinerziehende eingestellt. Denn auch Alleinerziehende tanzen auf mindestens zwei Hochzeiten. Sowas geht an manchen Stellen in sehr großen Betrieben, wo der Mensch ein ersetzbares kleines Rädchen mit fest definierten Aufgaben ist– so etwas geht aber nicht in kleinen Betrieben, wo jeder Ausfall eines Mitarbeiters eine kleine oder größere Katastrophe ist, und sowas geht nicht in Aufgabengebieten, die sehr spezifisch und wenig fest definiert sind – wo es wirklich auf diesen einen Mitarbeiter drauf ankommt, wo dieser Eine nicht mehr ersetzbar ist.

Mein Vater war früher unter der Woche nie vor 20:00 zu Hause und als ich sehr klein war, war mein Vater auch am Wochenende oft auf Geschäftsreisen.

Alleinerziehende mit „Snoopy“, den ihr Vater ihr von einer Geschäftsreise aus Amerika mitbrachte.

Ich mit „Snoopy“, den mein Vater mir von einer Geschäftsreise aus Amerika mitbrachte.

Aber ich erinnere mich trotzdem deutlich an meinen Vater: an Szenen, als ich noch ganz klein war, obwohl mein Vater da so wenig zu Hause war! An das Toben auf seinem Schoß, da war ich vielleicht 4 Jahre alt, als ich 5 war an seinen roten Mercedes, in dem er mir einmal demonstrierte, wie schnell Tempo 200 war, und ich mich fühlte wie in einer Rakete, an die Marzipankartoffeln, die keiner aus meiner Familie, nur ich und mein Papa mochten, an seinem Interesse und seiner Ermutigung an meinen „Geschäftsideen“ (‚grellbunte Schokolade’, da war ich sieben), an unsere Gespräche über Politik, als wir in den Bergen wanderten, da war ich zehn, an unsere Sommerurlaube in Südtirol, als wir uns zu viert beim allabendlichen Kartenspielen kaputtlachten bis wir Tränen in den Augen hatten, vor allem mein Vater konnte so lachen, dass er rot anlief – er war sehr humorvoll.

Es gibt viele Männer, die feministisch weichgespült freiwillig ihre Karriere kaputtmachen. Anstatt ihr Testosteron vernünftigerweise dafür einzusetzen, ihre Karriere voranzutreiben, um mittelfristig der Familie ein sorgenfreies Auskommen zu sichern, den Kindern eine gute Ausbildung und sich selbst eine Altersvorsorge, welche wiederum die Kinder entlastet, stellen sie am frühen Abend mit ihrer kleinen Lisa oder ihrem kleinen Tobias Bauklötzchen aufeinander.

Zurück zur klassischen Rollenaufteilung?

Mama an den Herd, Papa ins Büro?

Obwohl ich mich als sehr feministisch-emanzipiert wahrnahm und komplett in dieser Ideologie dachte und handelte und obwohl ich tatsächlich manche eher männliche Eigenschaften an mir erkenne, habe ich im Laufe der letzten 15 Jahre, in welchen ich als Alleinerziehende meinen Sohn erzog immer mehr festgestellt:
Ich bin eine Frau bin eine Frau bin eine Frau.
Mit typisch fraulichen Eigenschaften.

Deshalb denke ich, dass an gewissen Stereotypen Mann-Frau ein wahrer Kern ist. Dass Frau und Mann im Wesen verschieden sind. Wenn es hart auf hart kommt (z.B. im Fall von Kindern), ist es deshalb sinnvoll, sich die Aufgaben gemäß der angeborenen wesenhaften Gegebenheiten aufzuteilen. Mit andern Worten: Die Frau bleibt bei den Kindern, der Mann versorgt die Familie, indem er arbeiten geht.

Das Problem an der klassischen Rollenaufteilung ist:

Wenn man als Frau in der Schule Englisch, Französisch, Kurvendiskussionen und die Relativitätstheorie gelernt hat, seitenlange Gedichtsinterpretationen geschrieben hat, Referate gehalten hat, auf Friedensdemos für eine bessere Welt ‚gekämpft’ hat, in Theatergruppe und Fotokurs engagiert war, ist es stinklangweilig, mit einem Kleinkind zu Hause zu sein und mit Putzen, Einkaufen, Kochen und Kinderbetreuung beschäftigt zu sein. Stinklangweilig!!! Mir ist nach eineinhalb Jahren so sehr die Decke auf den Kopf gefallen, dass ich mich damals in einem unguten Zustand zwischen Depression und Aggression befand.

Hinzu kommt, dass der Beruf „Hausfrau und Mutter“ bei uns einen gesellschaftlich abwertenden Beigeschmack hat. Das „nur“schwingt immer mit: nur Hausfrau und Mutter. So dachte auch ich! Ich wollte auf keinen Fall „nur“ Mutter und Hausfrau werden! 

Das hat etwas mit der Wertehierarchie in unserer Gesellschaft zu tun. Diese Wertehierarchie ist tief davon geprägt, dass wir eine immer säkularere Gesellschaft werden, die sich vom Christentum größtenteils verabschiedet hat. Durch die fehlenden Orientierung an Gott als übergeordnete Macht und durch das damit verbundene Fehlen vom biblischen Verständnis der Einzigartigkeit und Gottesebenbildlichkeit des Menschen im Unterschied zum Tier und zur Natur wird der Mensch zum Narzisten, der als Ersatzreligion sich selbst, die Natur, den Klimaschutz, den Dalai Lama oder einen anderen Fetisch anbetet.

Außerdem hat die Abwertung zur „nur Hausfrau und Mutter“ etwas mit männlicher Arroganz, Ignoranz und Undankbarkeit zu tun sowie mit dem fehlenden Selbstbewusstsein von Frauen. Dienen ist out, Dominanz ist in. Dass Gott-Jesus selbst seinen Jüngern die Füße gewaschen hat, interessiert heute in Europa nur noch eine winzige Minderheit.

Und: Es ist tatsächlich Verschwendung von intellektueller Begabung und intellektueller Leistungsfähigkeit, wenn intellektuell begabte, gut ausgebildete junge Frauen nicht einen entsprechenden Beruf ergreifen und ausüben.

Wie kommen wir also heraus aus diesem Dilemma zwischen Selbstverwirklichung und Verzicht, „antiquiertem“(?) Familienbild und Emanzipation?

Die Familie neu erfinden?

Die Familie neu erfinden – das ist der Vorschlag von Iris Radisch, ZEIT-Redakteurin, die in oben genannter Radiosendung „TheoLogik“ im Interview zu Wort kommt.

In vielem kann ich Frau Radisch zustimmen:

50% Scheidungsrate in den Großstädten zeigen, dass das alte Familienmodell nicht mehr richtig funktioniert.
Man kann nicht 8 Jahre lang für die Kindererziehung den gelernten Beruf unterbrechen, weil dann die Kenntnisse veraltet sind.
Den Preis dafür, dass die Mutter arbeiten geht, zahlen die Kinder. Entweder die Frau zahlt den Preis (indem sie ihren Beruf aufgibt), oder die Kinder zahlen den Preis (weil ihre Mutter sich auf ihren Beruf konzentriert).
Vereinbarkeit von Beruf und Kindern gibt es überhaupt nicht.³

Stimmt alles!

Frau Radischs Lösungsvorschlag:

Es müssen weitreichend andere Bedingungen geschaffen werden. Der Mietpreisspiegel muss künstlich gesenkt werden. Die Arbeitsstrukturen müssen geändert werden. Es müssen neue Arbeitszeitmodelle geschaffen werden. Es müssten für beide Eltern 2/3-Stellen geben. Oder es müsste ein Lebensarbeitszeitkonto geben. ³

Falsche, geradezu grauenhafte Vorschläge!

Denn: diese Vorschläge laufen auf ein Eingreifen des Staates in das freie unternehmerische Handeln hinaus. Über kurz oder lang landen wir so im Sozialismus.

NEIN DANKE!!!

Nacheinander statt Zugleich!

Die wirkliche Lösung lesen Sie nun hier auf Ihrem „Antialleinerziehenden-Blog“!
Ich bin tatsächlich selbst auf diese wirkliche Lösung gekommen – aber nicht nur ich, sondern zu meiner Überraschung auch Eva Herman! (In ihrem Buch „Das Eva Prinzip“, Kapitel 8, Seite 254, „Verantwortung und neue Lebensentwürfe“)
Die Lösung heißt: sequentiell statt parallel. Nacheinander statt zugleich.

Also nicht: Kinder und Karriere

sondern:

Erst Kinder, dann Karriere

Das geht heutzutage nur leider nicht. Nach 8 oder gar 20 Jahren kann frau nicht wieder zurück in den Beruf, als sei nichts gewesen. Ihre Kenntnisse sind veraltet oder vergessen.

Es könnte aber gehen, wenn es die Möglichkeit einer Auffrischung ihrer Kenntnisse gäbe, wenn ein Spätstudium normal würde, wenn es kontinuierliche Weiterbildungsmöglichkeiten für erziehende Mütter gäbe, oder wenn mehr Mütter nach ihrer Erziehungszeit eine selbstständige Tätigkeit ausüben würden.

Es könnte gehen, wenn es mehr Offenheit für Quereinsteiger(innen) gäbe, für krumme Lebenswege, wenn der deutsche Glaube an Zertifikate, Zeugnisse und an den Staat (als Macht, die den Arbeitsmarkt mit tausenderlei Kündigungsschutzgesetzen zu regulieren hat) einer echten Flexibilität weichen würde, wo Nachfrage und Angebot sich selbst regulieren und daher Arbeitgeber Risiken eingehen können, die dann keine mehr sind, weil sie eine schlechte Arbeitskraft jederzeit wieder loswerden können.

Die neuen Möglichkeiten Internet, Video on Demand, Podcast etc. eröffnen viele Möglichkeiten für eine Weiterbildungslandschaft für Mütter.

Beruf und Kindererziehung zugleich funktioniert nicht – das weiß ich aus eigener Erfahrung. Wir dürfen das klassische Familienbild und die klassische Rollenaufteilung in der Familie nicht aufgeben, denn diese entsprechen trotz allen Opfern dem menschlichen Wesen von Mann, Frau und Kindern am meisten.

snoopy2

Ich mit Snoopy

Fazit

Ein Vater muss nicht früh nach Hause kommen, um Bauklötzchen aufeinanderzustellen! Es ist viel toller, gerade fünf Jahre alt an einem der seltenen Sonntage, an dem Papa da ist, mit ihm im roten Mercedes bei Maximalgeschwindigkeit über die Autobahn zu rasen!!!
Wenn ein Vater aber mit Bauklötzchenaufeinanderstellen statt mit Überstunden beschäftigt ist, weil es die feministisch-emanzipierte Ideologie so vorschreibt, dann wird das nie etwas mit dem Mercedes!

¹ „Theo.Logik“ vom 16.02.2009
² Nils H. in „Theo.Logik“ vom 16.02.2009
³ Iris Radisch in „Theo.Logik“ vom 16.02.2009

Gut, dass ich gescheitert bin.

14. Februar 2009
Kurz vor der Pleite.

Persönlich und beruflich gescheitert.

Ich wollte es allen zeigen. Mir selbst, meinem Sohn – „sieh mal, was ich geschafft habe, das schaffst Du auch wenn Du mal groß bist“ – , meinen Freunden, meinen Bekannten. Ich fühlte mich unschlagbar. Und ich dachte, ich könne alles schaffen: eine gute Mutter sein und beruflich ‚meinen Mann stehen‘.

Als ich mich selbstständig gemacht habe, dachte ich, das sei ein besonders kluger Schachzug für mich und meinen Sohn. Ich konnte von zu Hause aus arbeiten, war also anwesend, konnte ihm mittags nach der Schule eine warme, gesunde Mahlzeit kochen, hatte alles im Griff und konnte zugleich Karriere machen. In meinem eigenen Unternehmen. Ich war vorbildlich.

Je vorbildlicher ich aber war, desto mehr begann mein Sohn, zu rebellieren. Es war geradezu so, als ob immer wieder gegen das Gelingen unseres vorbildichen „EinEltern-Familien-Lebens“ kleine Attentate ausführte. Verweigern jeglicher Mitarbeit für die Schule, kleinkriminelle Delikte, Zerstören von Sachen usw.

Ich gab mir größte Mühe ihm alles zu bieten, was möglich war. Ich ging mit ihm ins Theater – das langweilte ihn. Ich las ihm vor, kaufte ihm Bücher – die er nicht las. Ich redete mit ihm über Gott und die Welt – was er langweilig und nervend fand. Ich habe hundert Mal Anlauf genommen, mit ihm für die Schule gemeinsam zu lernen – was in teilweise heftigen Streit und Wutausbrüche (beiderseits) ausartete.

Und ich wollte, obwohl ich eine Frau bin, ihm auch Vater sein. Ich machte ‚männliche Sachen‘, wie z.B. die Wohnung handwerklich renovieren, kleinere Installationsarbeiten in der Küche, insbesondere kannte ich mit Computern besser als manch anderer Vater aus, weil ich sowieso eine technische Ausbildung in dieser Richtung gemacht hatte und auch in einem männlich dominierten Beruf gearbeitet hatte, bevor ich mich selbstständig machte.

Aber es wurde immer schlimmer.  Ein Jahr, nachdem ich meinen Job aufgegeben hatte, um mich selbstständig zu machen, sah ich glasklar, dass mein damals 10-jähriger Sohn unweigerlich auf eine kriminelle Schiene mit seinen Freunden aus der Hauptschule geraten würde, wenn ich ihn aus seinem sozialen Umfeld nicht herausnehmen würde. Also zog ich um, in ein kleines Städtchen auf dem Land ziemlich weit weg von der Großstadt, in der wir gelebt hatten.

Auch hier, in unserem kleinen Ort war es schwierig mit meinem Sohn. Das kriminelle Potential der Jugendlichen hier ist aber niedriger als in der Großstadt, was die Sache etwas leichter machte. Trotzdem passierte eine kleine Katastrophe nach der anderne. Schulversagen, Diebstahl, Sabotage.

Jedoch: je schlechter es mir geschäftlich und persönlich ging, desto besser lief es mit meinem Sohn.

Es war fast so: je mehr für mich ‚Land unter‘ war, gewann mein Sohn Oberwasser.

Meine Firma ging immer mehr den Bach runter. Ich nahm vor Einsamkeit und Frustration und Mangel an Urlaub und Freizeit 20 kg zu, zog mich stark von der Außenwelt zurück und ging gründlich in mich.
Ich änderte meine Einstellungen um 180 Grad. Ich warf sämtliche feministischen Ideale über Bord und gestand mir endlich ein, dass ich kein Mann war und auch keinen Mann ersetzen konnte, obwohl ich technisch begabt bin und dass ich meinem Sohn keinen Vater ersetzen kann. Ich hörte auf zu versuchen, meinem Sohn irgendwelche feministischen Ansichten anzuerziehen und begann, ihn bewusst auf sein Mannwerden anzusprechen und mehr und mehr die Wesensunterschiede zwischen ihm als Mann und mir als Frau zu betonen. Ich begann, mit ihm darüber zu reden, dass er als Mann später einmal vermutlich die Versorgerrolle in der Familie übernehmen würde, weil er der Mann sei und welche Verantwortung er als Mann später einmal für seine Frau und seine Kinder haben würde.

Ich begriff mehr und mehr, dass ich einem falschen Rollenideal hinterhergerannt war und einen Riesenfehler in meinem Leben gemacht hatte. Ich begann, den Wert und Sinn von „Familie“ und das Wesen „Mann“ und „Vater“ plötzlich zu begreifen. Das war ein schmerzhafter Prozess, weil ich starke Schuldgefühle bekam und auch heute immer noch habe.

Ich begann, meinem Sohn die Fehler, die ich gemacht hatte, auch offen zu sagen und ihn auf den Wert von „Familie“ hinzuweisen. Ich betonte auch, dass ich glaube, dass es traurig und schade ist, dass er keinen Vater habe und dass ich vor 15 Jahren einen anderne Mann hätte suchen müssen und eine Familie gründen sollen und dass es ein Fehler war, dass ich das nicht getan habe.

Aus mir, der vor Selbstbewusstsein sprühenden, jungen, lebenslustigen, abenteuerlustigen, blonden, hübschen, schlanken, beliebten, alleinerziehenden Unternehmerin wurde in den letzten Jahren eine von Selbstzweifeln gequälte, nachdenkliche, auch wütende (auf sich und einen Teil der Welt), sehr viel bescheidenere, einsame Frau Anfang 40, die zwar ihren Optimismus nicht gänzlich verloren hat, aber die Welt und sich selbst doch sehr viel nüchterner sieht und sehr konservative Einstellungen hat.

Gleichzeitig wurde langsam, ganz langsam aus meinem störrischen, unmotivierten, unverantwortlichen, frechen Sohn ein selbstbewusster, ausgeglichener, immer noch nicht sehr aber wenigstens etwas motivierter junger Mann, der ab und zu rührend gute Charakterzüge zeigt, immer öfter hilfsbereit ist, manchmal geradezu vernünftig wirkt, sich nach verbalen Frechheiten bei mir entschuldigt, morgens von selbst aufsteht und darauf achtet, nicht zu spät zur Schule zu kommen und für ein Betriebspraktikum freiwillig die Hip-Hop-Klamotten zu Hause lässt und in ordentlicher Hose und Pullover das Haus zur Arbeit verlässt.

Wie kann es sein: Je schlechter es mir ging, desto besser ging es meinem Sohn?

Darüber habe ich lange nachgedacht. Die Antwort, die ich gefunden habe lautet:

Meine starke Persönlichkeit und demonstrierte Perfektion und Vorbildlichkeit haben meinen Sohn erdrückt. Zudem habe ich als feministische Frau ‚männliche Felder‘ besetzt, so dass für meinen Sohn, der ja keinen Vater hatte, an dem er sich hätte orientieren können, keine Identifikationsmöglichkeiten mehr übrig blieben. Die Männerdomäne für pubertierende Jungs schlechthin – Computertechnik und Software – hatte ich, seine Mutter, in Beschlag genommen. Eine Kampfsportart? Lernte ich, seine Mutter schon vor ihm im Sportverein. Mein Sohn konnte sich nicht positiv durch irgendeine ‚männliche Aktivität‘ als Mann identifizieren und probierte es daher negativ – indem er gegen alles rebellierte, was ich, seine Mutter, als Frau tat und dachte und anstrebte.

Erst als ich beruflich scheiterte und zugleich das feministische Weltbild aufgab und nicht mehr anstrebte, meinem Sohn als Mutter zugleich den Vater zu ersetzen, entspannte sich die Situation für meinen Sohn langsam.

„Männer sind auf dieser Welt einfach unersetzlich“ – damit hat Herbert Grönemeyer Recht.

Gut, dass ich gescheitert bin.

Werteverwirrung

13. Februar 2009
Rauchen an der Schule   (© ricky_68fr - Fotolia.com)

Rauchen an der Schule (© ricky_68fr – Fotolia.com)

Im Sommer 2008 wurde mein Sohn beim Rauchen erwischt: außerhalb des Schulgeländes, aber in Sichtweite der Schule. Nach mehrfachen Verwarnungen bekam er einen verschärften Verweis mit Drohung eines Schulausschlusses. Ein Schulausschluss ist genau das, was ein unmotivierter, pubertierender Hauptschüler mit mittelmäßig bis schlechten Noten ganz sicher nicht braucht. Damit ist er nämlich auf dem besten Weg, die Schule ganz hinzuwerfen.

Ich schrieb folgenden Brief an den Rektor der Schule (den ich ansonsten sehr schätze):

03.06.2008

Sehr geehrter Hr. <…>,

 

es ist in der Tat sehr ärgerlich, dass mein Sohn wieder beim Rauchen in Sichtweite von der Schule erwischt wurde.

 

Ich habe meinen Sohn für den Vorfall bestraft.  Er muss sich an die Regeln der Schule halten und insbesondere bzgl. „Rauchen in der Schule bzw. in d. Nähe der Schule“ ist er ja bereits vorgewarnt worden.

 

Wie Sie bin ich der Meinung, dass Rauchen schädlich ist. Ich bin seit jeher überzeugte Nichtraucherin. Meinem Sohn habe ich das Rauchen streng verboten. Zu Hause raucht er nie. Mein Sohn ist von mir (und von der Schule, wie ich annehme) über die krankmachenden Wirkungen des Rauchens aufgeklärt.

 

Anders als Sie bin ich allerdings der Meinung, dass das Rauchen an sich (d. h. im Folgenden aus dem Zusammenhang der Schulregelverletzung herausgelöst) kein schweres moralisches Vergehen ist.

Ich meine, dass hier ein Wertekanon durcheinander geraten ist. Rauchen von Jugendlichen ist nicht ebenso verwerflich wir Diebstahl, Tierquälerei, Gewalttätigkeit oder Lügen […].

„Rauchen“ ähnlich einem der vorgenannten Tatbestände zu behandeln und zu bestrafen trägt meiner Meinung nach dazu bei, den Jugendlichen Werteurteile zu erschweren.

„Gesundheit über alles“ – dieses Motto ist in meinen Augen falsch.

 

Mit freundlichen Grüßen,

 

<Unterschrift>

Ich verstehe, dass die Schule nach mehrfachen Verwarnungen Konsequenzen ziehen muss. Und ich verstehe, dass die Schule kaum Möglichkeiten hat, Konsequenzen zu ziehen, außer diese dummen, hilflosen Verweise. Ausgerechnet wegen Rauchen in der Nähe der Schule aber mit vollem Kanonenrohr (verschärfter Verweis! Schulausschluss!) zu schießen, kommt mir vor, als würde jemand sich dauernd über einen unverschämten Nachbarn ärgern und schließlich, als die Geduld zu Ende ist, dessen Katze erschlagen.

Ich denke, dass das Rauchen ein relativ harmloses Mittel der Rebellion ist. Alle Jugendlichen rebellieren. Alle Jugendlichen provozieren. Es ist von Generation zu Generation immer dasselbe Spiel. Solange das Rauchen ein wirksames Mittel der Provokation sein kann, ist die Welt in Ordnung.  Mir ist lieber, mein Sohn raucht heimlich (zu meinem Entsetzen und zur Empörung seiner erwachsenen Umwelt!) als dass er seine Umwelt mit Rechtsextremismus brüskiert, wie das einer seiner Freunde tut. (Neulich, als dieser Freund bei uns zum Mittagessen war: „Ich bin Nationalsozialist – wir Deutschen sollten reinrassig bleiben“).

Dass die Jugendkriminalität zugenommen hat, kommt auch daher, dass es heute nur noch wenig gibt, womit Jugendliche wirksam provozieren können. Lassen wir ihnen das Rauchen.

Counterstrike und das männliche Genom

13. Februar 2009

Stundenlang spielt mein Sohn Counterstrike.
Früher meist in unfreundlich aussehenden virtuellen Häuserlandschaften oder virtuellen Fabrikhallen, heute häufig in sogenannten „surf“-Landschaften, die so aussehen:

Surf-Landschaft in Counterstrike

Surf-Landschaft in Counterstrike

Der Spieler fliegt mit rasender Geschwindigkeit an diesen Steinblöcken entlang und trifft ab und zu auf Plattformen, auf welchen er so viele feindliche Spieler zu töten hat, wie nur möglich – und zwar mit dem Maschinengewehr oder mit dem Messer (aber mit dem Messer ist es viel schwieriger, wie mein Sohn mich belehrte). Dann saust der Spieler weiter über die Steinblöcke in schwindelerregenden Höhen durch die Luft. Man kann auch in Gruppen spielen. Dabei redet man kaum miteinander. Wenn, dann tauscht man nur Strategie-Informationen in Form von Abkürzungen aus. Das wars. Eine Horde von Jungs, die sich nicht füreinander interessieren und trotzdem gemeinsam auf Steinblöcken herumballernd durch die Luft sausen.

Bei meiner Analyse stelle ich folgende drei Spielelemente fest:

1. Waffen
2. Kampf
3. Geschwindigkeit

Die Faszination, die dieses Spiel wohl auf Millionen von pubertierenden Jungs ausübt, ist mir so unzugänglich und fremd, wie … ja, mir fällt nicht einmal ein Vergleich ein. Einfach fremde Welt für mich!!

Ich selbst fange gar nicht erst mit dem Computerspielen an, weil ich dafür keine Zeit habe. Außerdem habe ich eine Abneigung gegen künstliche Parallelwelten wie „Second Life“, in welchen man seine Lebenszeit verschwendet. Aber wenn ich spielen würde – würde ich mich eher in Phantasiewelten rumtreiben und märchenhafte Abenteuer erleben und fremde Wesen kennenlernen. Ich würde es umwerfend toll finden, mit Leuten aus anderen Ländern chatten zu können und aus ihrem Leben mehr  zu erfahren …
Aber durch die Luft fliegen und andere abknallen? Wie kann man sich nur stundenlang damit beschäftigen????? Ein Rätsel!

Des Rätsels Lösung lautet:

Mein Sohn ist mein Sohn, also männlich.

Dieser ganze feministische Quatsch von „Gender Mainstreaming“ (Motto: gib kleinen Jungen Puppen und kleinen Mädchen Traktoren) ist völliger Unsinn!

Ich habe das früher tatsächlich geglaubt, ich Tor! Ich glaubte brav, wie man es mir in Schule, Rundfunk und Fernsehen beigebracht hatte: Jungs sind wie Mädchen und der geistige Unterschied kommt erst durch die Erziehung zustande.  Und als Mama kann ich locker den Vater ersetzen. Schließlich kann ich auch mit dem Bohrhammer umgehen, habe eine technische Ausbildung, kann Programmieren und Computer auseinander und zusammenschrauben. 

Quatsch!

Counterstrike ist der Beweis! (Einer unter tausenden anderen Beweisen). Weil ich eine Frau bin, bleibt mir die Welt von Counterstrike verschlossen! Ich bin einfach im Wesen zu andersartig! Ich bin weiblich!

Und ich sage Ihnen: hätte ich gewusst, dass Männer und Frauen im Wesen verschiedenartig sind und dass Jungen zwar Mütter, aber unbedingt auch einen Vater brauchen, dann hätte ich andere Entscheidungen im Leben getroffen! Anstatt meinem  Sohn jahrelang als Alleinerziehende einen Vater vorzuenthalten, einen absolut verlässlichen Mann in seinem Leben, hätte ich, als mein Sohn noch klein war, mit höchster Priorität einen Ehemann gesucht und eine richtige Familie  gegründet!

Männliche Bekannte / gute männliche Freunde sind keine Alternative zu Vätern! Ich habe die Erfahrung gemacht: wenn es schwierig wird, ziehen solche „Freunde“ sich zurück! Sie sind eine Riesenenttäuschung für einen Jungen, der keinen Vater hat, und der sich daher an einem „Freund der Familie“ orientiert. Der Freund der Familie lernt eine tolle Frau kennen, verliebt sich, und interessiert sich nur noch am Rande für den Jungen ohne Vater. Oder der akademische Freund der Familie, der gerade an seiner Doktorarbeit schreibt, ist mehr und mehr befremdet, wenn der Junge ohne Vater in die Hauptschule statt ins  Gymnasium geht und sich mehr für Ballerspiele anstatt für Mozarts Zauberflöte interessiert. Nur ein Vater (oder Adoptivvater) ist auf Gedeih und Verderb an den Jungen angebunden und nur bei ihm besteht eine Chance (keine Garantie), dass er den Jungen nicht enttäuscht – auch dann nicht, wenn es schwierig wird.

In rasender Geschwindigkeit durch die Lüfte

In rasender Geschwindigkeit durch die Lüfte

In einer amerikanischen Radiotalkshow habe ich letztens gehört, dass Männer genetisch mit Walen mehr gemeinsam haben, als mit Frauen. Könnte sein.

„Lust“ spielt im Leben keine Rolle!

13. Februar 2009

Bis zum Quali sind es nur noch wenige Monate. Ich habe angefangen, mit meinem Sohn systematisch jeden Nachmittag Englisch und Mathe zu lernen.
Natürlich hat mein Sohn überhaupt keine Lust aufs Lernen. Er sitzt viel lieber vor dem Computer und spielt „Counter Strike“ und chattet mit seinen Freund(inn)en.

Das Lieblingsargument meines Sohnes gegen das Lernen lautet:
„Ich habe aber keine Lust !“

Dagegen kontere ich:
„Das spielt überhaupt keine Rolle! Nicht jetzt beim Lernen und auch nicht im sonstigen Leben ist es wichtig, ob man auf etwas Lust hat.“

Das ist für meinen Sohn neu!! Offensichtlich machen aus seiner Sicht alle Menschen um ihn herum das, was sie machen, weil sie Lust darauf haben, es zu machen.
Falsch! Sie machen es, weil sie sich ein Ziel vorgenommen haben und um das zu erreichen, ignorieren sie, ob sie Lust darauf haben oder nicht. „Lust“ spielt keine Rolle. Ein Leben nach dem „Lustprinzip“ führt zu Misserfolg, Armut, Frustration, Verweichlichung.

Ich glaube, viele intelligente Kinder, die trotz Intelligenz und Begabung auf der Hauptschule landen (und das sind mindestens 50% aller Hauptschüler) , sind dort, weil sie diese Lektion nie gelernt haben. Sie leben nach dem Lustprinzip und empfinden es als eine Zumutung, ihre Lust zu ignorieren oder aufzuschieben, um einer Pflicht nachzugehen. Je disziplinierter ein Kind aber trotz Unlust ein Ziel verfolgen kann und das Gefühl der Lust und des Spaßes für dieses Ziel aufschieben kann, desto erfolgreicher wird es in der Schule und später im Leben sein.

Warum hat mein Sohn das nie gelernt?
1. Ich selbst habe es ihm nie vermittelt. Weil ich dachte, das sei eine Selbstverständlichkeit. Weil ich mir vor lauter Arbeit und Ehrgeiz nicht genug Zeit genommen habe um zu sehen, dass mein Sohn dieses Prinzip nie gelernt hat. Weil mein Sohn im Hort war und ich froh war, wenn die Hausaufgaben gemacht waren und ich mich abends darum nicht mehr kümmern musste.
2. In der Schule wird nach dem Lustprinzip vorgegangen, da die Lehrer versuchen, Unterricht unterhaltsam und spannend zu machen. Es soll Lust auf Mathe vermittelt werden, Lust auf Englisch, Lust auf Lesen usw. Alles Quatsch. Es wäre besser, wenn hauptsächlich Ehrgeiz, ein selbst gestecktes Ziel zu erreichen vermittelt würde. Und dass Lust im Leben überhaupt keine Rolle spielt!

Politisch nicht Korrektes

7. Februar 2009

Hello World.

„Der Abstand zwischen den Einkommen aus Kapital und denen aus Erwerbsarbeit ist gestiegen. Einst selbstverständliche soziale Leistungen sind eingeschränkt worden, durch den Wegfall eines 13. Monatsgehaltes hier oder die Zuzahlung zu Arzneimitteln dort. Lebensverhältnisse haben sich dramatisch verändert, mit der Folge der Armut alleinerziehender Mütter und ihrer Kinder.“ …

… schrieb Ernst Nolte vor Kurzem in der FAZ.

Gott sei Dank, kann ich da nur sagen. Gut, dass die sozialen Leistungen eingeschränkt wurden. „Warum das denn?“ fragen Sie? Das werde ich in den nächsten Wochen hier in diesem Blog entfalten.

Mein Sohn ist 15 Jahre alt, wird demnächst 16. Ich bin seit 16 Jahren alleinerziehend.

Zu dem Artikel von Ernst Nolte lautete meine FAZ Leser-Kommentar:

Alleinerziehend macht arm und unglücklich
Eine kurze, nicht politisch-korrekte Ausschmückung zum Thema Alleinerziehende und Armut: Die Ursache für die statistisch hohe Anzahl an armen Alleinerziehenden ist die Tatsache, dass diese Frauen alleinerziehend sind. Wir dürfen Alleinerziehende nicht mehr als Heldinnen des Alltags ehren. Sie haben entweder unverantwortliche Entscheidungen in ihrem Leben getroffen oder haben Pech in ihrem Leben gehabt (Mann hat sie verlassen oder ist gestorben). Sie leben ein Modell, mit dem sie sich selbst und ihren Kindern schaden. Sie sind als Alleinerziehende zu bedauern, nicht zu bewundern. Ihre Kinder haben keine Väter, was besonders die Entwicklung den Jungen erheblich erschwert. Sie zerreißen sich zwischen Job und Kind und könne dabei entweder beidem, Job und Kind, oder einem von beiden nicht gerecht werden. Sie sind unzufrieden, weil sie im Job weiter kommen können, hätten sie kein Kind oder weil sie sich mehr um ihr Kind kümmern könnten, hätten sie keinen Job. Sie geben außerdem dieses falsche Familienmodell und das eigene Rollenvorbild automatisch als Vorbild an ihre Kinder weiter.“

Mehr dazu … in diesem Blog.

😉


Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 35 Followern an