Eine einfache Rechnung

Vorhin wieder ziemlichen Streit mit meinem Sohn gehabt. Er hat sich seit ein paar Tagen in den Kopf gesetzt, in die Großstadt ziehen zu wollen (mit 16!) und dort eine Ausbildung machen zu wollen. Weil er „dieses Kaff hier satt hat“ und weil es hier „so langweilig ist“.

alles ätzend

alles ätzend

Ich habe ihm klar gemacht, dass er hier bleibt und hier entweder ein weiteres Schuljahr oder hier eine Ausbildung macht.

Streit, Türenknallen, Nichteinhalten von Vereinbarungen, Unverschämtheiten.

Wir sind vor 5 Jahren aus einer Großstadt hierher gezogen, weil das soziale Umfeld desaströs für meinen Sohn war, sobald er in die Hauptschule ging. Ich habe für diesen Umzug sehr viel aufgegeben und er hat es hier sehr gut.

Ich stelle immer wieder fest, dass mein Sohn unglaublich selbstbezogen, egoistisch, verwöhnt, verweichlicht ist und keine gute Selbsteinschätzung hat. Ein Wort fasst es zusammen: Narzissmus.

Nun ist mein Sohn erst 16 und sein Charakter noch nicht fertig entwickelt. Ich hoffe, das legt sich noch.

Trotzdem habe ich eben per Google folgenden interessanten Text über Narzissmus gefunden:

Nach einer Studie der Universität von San Diego (Kalifornien) sind die nach 1982 geborenen Menschen…  

„… die narzisstischste Generation der jüngsten Geschichte und eher weit entfernt von einer sozialen Orientierung. Dieser amerikanische Befund deckt sich mit Jugendstudien aus dem deutschsprachigen Raum, wonach es immer mehr Jugendliche gibt, die wenige tragfähige soziale Beziehungen entwickeln, sich nicht sozial integrieren können und sich letztlich selbst in den Mittelpunkt stellen.“
(Hervorhebungen von mir)

Die „nach 1982 geborenen Menschen“! Das sind die Kinder der sogenannten 68ger Generation (Love, Peace, Flower-Power).
Stichwörter: Pille, Feminismus, freier Sex, Drogen, Selbstverwirklichung, Linksextremismus, antiautoritäre Erziehung, Lebensabschnittspartner statt Ehe.

zukünftige Alleinerziehende?

zukünftige (Mutter einer) Alleinerziehende(n)?

Und wie kommt es zur Entwicklung einer narzisstischen Persönlichkeit?
Darüber heißt es im zitierten Artikel:

„Die Ursachen des Narzissmus sind neben einer gewissen erblichen Disposition vor allem auch die familiären Verhältnisse. Narzissmus entsteht meist in der frühen Kindheit, wenn sich normalerweise das Selbstwertgefühl und die eigene Individualität entwickeln. Häufig werden später narzisstische Kinder wenig wahrgenommen („ich war wie Luft“) und in ihren Bedürfnissen nicht unterstützt oder überfordert („du bist mein großer Junge, das schaffst du auch alleine“). Oft werden sie aber auch überhütet, so dass sie keine Gelegenheit haben, ein gesundes Selbstbewusstsein zu entwickeln. Oft ist die Mutter sehr dominant, der Vater faktisch nicht vorhanden. In Ehen, in denen es kriselt, werden die Söhne dann auch von den Müttern als „Partnerersatz“ behandelt und erwarten von ihnen jene Aufmerksamkeit und Zuwendung, die sie vom Partner nicht bekommen.“
(Hervorhebungen von mir)

kann alles, schaffe alles

kann alles, schaffe alles

Machen wir mal eine einfache Rechnung auf:

Alleinerziehen + Dauerfremdbetreuung – Vater = Narzissmus

16 Antworten to “Eine einfache Rechnung”

  1. Die Stimme aus dem Off Says:

    Ach was, Dein Sohn leidet nicht unter Narzissmuss. Der ist in der Pubertät, da sind die alle so. Das ist vollkommen normal.

    Die Selbstbezogenheit wird wohl eher vom ADHS herrühren. ADHS-Patienten müssen immer alle Bedürfnisse sofort befriedigt bekommen. Ihre Frustrationstoleranz ist gleich Null.

    Narzissten sind vor allem auch Opportunisten. Sehr berechnend, das funktioiert mit ADHS nicht. Für komplexes zwischenmenschliches Kalkül fehlt denen einfach die Zeit.

    Depressiv sind ADHS-Patienten oft, allerdings bemerkt das selten jemand, weil ihnen die Lebensangst fehlt. Die sind traurig aber hochaktiv und ständig unterwegs. Der Suizid ist bei denen meistens eine Spontanhandlung, selten mit viel Herumgelaber oder Androhungen vorweg. Die fahren mit dem Fahrstuhl nach ganz oben und springen, obwohl sie drei Minuten vorher noch keinen Anlass dazu gehabt hätten.

    Narzissmuss kommt auch nicht von Alleinerziehenden. Die sind nicht an allem schuld.

  2. markusoliver Says:

    Nanu? Man liest hier ja so lange keine Neuigkeiten?

    Ist die Situation eskaliert?

  3. Alleinerziehende Says:

    Nein, nein, bin nur intensiv anderweitig beschäftigt derzeit … ein Umzug in die Großstadt ist derzeit kein Thema mehr bei uns, auf seine Bewerbungen in der Großstadt hat er Absagen bekommen … hat sich erstmal erledigt (bin ich zumindest was das Thema „Großstadt“ betrifft froh!!)

  4. alleinerziehende Says:

    @ die Stimme aus dem Off

    AD(H)S ist auch nicht an allem Schuld. Natürlich ist das Zauberwort AD(H)S für diejenigen erfreulich, denen die Wirklichkeit nicht schmeckt, dass ein Kind Vater und Mutter in einer intakten Familie, in der am besten die Mutter die Kinder erzieht (anstatt sich ausschließlich auf eine Krippe, Kindergarten, Hort zu verlassen/verlassen zu müssen) braucht.

    Im Moment stagniert dieses Thema bei uns übrigens – wir sind noch am Testen, Concerta 27 mg war vormittags (Schule) zu schwach, nach den Ferien startet mein Sohn mit Ritalin LA 30 mg, da ist die Ausschüttungskurve anders (50% / 50% im Vergleich zu Concerta ca. 30% / 70%)

  5. alleinerziehende Says:

    außerdem schreibe ich derzeit nichts, weil ich mir einen Handknochen gebrochen habe und eine Gipsschiene trage, die das Tippen umständlich macht :-/

  6. /ajk Says:

    Ach ja, ADS.. Hab ich auch..

    Wisst ihr was das ist? Man ist zu schnell beim denken und langweilt sich über andere.

    Ich habe gelernt damit umzugehen als ich aufhörte zu versuchen wie eine Frau zu denken und zu fühlen. Weil es nervtötend war.

    Als ich aufhörte das Gesprächsmuster von Frauen zu verfolgen und genauso zu sprechen. Als ich aufhörte ihnen auf gleicher ebene zu begegnen, sondern von meiner Ebene aus zu agieren.

    Ich halte nix von Ritalin und co, das sind alles nur Symptombekämpfungen. Das der Junge nicht zuhört hat damit zu tun das Jungs ab 15 Jahren in ihre Junge Männer Phase kommen und sie sich verändern. Sie hören weniger auf Frauen. Auch ich habe Frauen nicht als gleichwertige Partner wahrgenommen und mir fehlte ein Mann der im Leben stand und mir mitteilte wie es dort aussieht als Mann in der Welt.

    Meine Kollegen und ich sind gerade dran eine Bewegung zu entwickeln um das aufzufangen. Es soll aufhören das intelligente junge Männer sich um 80% bremsen müssen, damit sie mit dem langweiligen Mainstream mithalten müssen.

    Das Jungs in der Schule nix mehr tun wollen, liegt daran das diese erstens veraltet sind, zweitens unwichtig und drittens zu sehr auf Frauenbedürfnisse eingerichtet sind. So wird mehr „stumpf“ auswendiggelernt und weniger verstanden.

    Was hab ich mich mit 16 Jahren aufgeregt das wir Worte auswendig lernen mussten, und nächste Woche wieder. Dabei haben ALLE diese Worte wieder vergessen und es gab einfach nur ne Note um der Noten willen.

    perseus.foren-city.eu – das Maskulisten Forum

    /ajk

  7. markusoliver Says:

    In Bezug auf den Handknochen wünsche ich Dir natürlich gute Besserung.

    Die Ausschüttungskurve von Concerta ist also vormittags ungünstig? Das wusste ich noch gar nicht, sieh‘ an, mal lernt nie aus. Ich dachte auf so einen Unsinn ein Retard-Präparat wie Concerta ungleich ausschütten zu lassen würde man nicht kommen. Vor allem nicht wenn es von Schulkindern genommen werden soll.

    Das lässt interessante Schlüsse auf die eigentliche Zielgruppe zu. Anscheinend sollen damit vor allem die Eltern ruhig gestellt werden. 😉

  8. Alleinerziehende Says:

    Zu Deinem letzten Absatz:

    Jein … ich denke, dass die Wirkung von Methylphenidat, wenn sie über den ganzen Tag verteilt wird, dem Kind/Jugendlichen nicht nur in der besonderen Situation „Schule“ hilft, sondern das Ganze ist ja eine sehr viel umfassendere Problematik, die auch „Selbstorganisation“ im Allgemeinen betrifft. Also alles was damit zusammenhängt, sein Leben strukturiert zu leben, sich etwas vorzunehmen und es dann auch auszuführen, sich selbst zu organisieren und das eigene Leben zu strukturieren. Alles eben, was mit einer Fokussierung des Willens und der Konzentration zu tun hat, wo aber die Motivationsschwelle hoch liegt.

    Natürlich sind die Eltern glücklich, wenn das Kind plötzlich anfängt, ’normal‘ zu leben. Meine Freundin berichtete mir von ihrem Sohn, dass sich nicht nur dessen Schulprobleme mit Ritalin gelöst hätten (sogar ins Gegenteil verkehrt hätten: er ist nun sehr gut in der Schule und auch sehr motiviert und geht mit Lust dort hin), sondern auch sein sonstiger Alltag hat sich sehr zum Positiven gewandt: er ist motiviert, in den Sportverein zu gehen, organisiert sich selbst für die Schule (Busabfahrtszeit einhalten, Sportzeug einpacken …) usw… ein ganz umfassender Wandel.

    Das aber nun als „Ruhigstellungspille“ zu bezeichnen, geht völlig an der Sache vorbei.

  9. Alleinerziehende Says:

    P.S. Gipsschiene weg, kann wieder tippen 🙂

  10. Markus Oliver Says:

    Schön, mein Posting war auch ein wenig scherzhaft gemeint. Mir ist schon klar, dass man damit nicht die Eltern ruhistellen will und dass das Methylphenidat den ganzen Tag über wirken soll.

    Nur ist eine geringere Dosis am Morgen wohl das Letzte, was ein Kind gebrochen kann.

    Schön, dass die Gipsschiene ab ist.

  11. Emmerich Knallmann Says:

    Alles ganz einfach:

    1.) technischen Müll weg – TV, Computer, MP3-Player, Handy usw.

    2.) Singen, Instrument spielen oder anspruchsvolle Sportart

    3.) Wandern und Beeren sammeln, Bauern besuchen usw.

    4.) Bücher lesen – aber etwas über dem derzeitigen Begriffsvermögen bitte…

    Ansonsten keine Rettung möglich – geht alle den Bach runter. Der Trick der „Gesellschsft“ ist es die potentielle Aufmerksamkeit eines Menschen vollständig zu verbrauchen bis er verblödet ist.

    Das blicken die Jugendlichen nätürlich nicht – daher sind sie 10 Jahre später verblödete Deppen mit Problemen ohne Ende.

  12. Alex Says:

    Das ist natürlich sehr schade, dass das so abgelaufen ist. Aber meine Einschätzung ist, dass dein Sohn gar nicht versteht, was du alles aufgegeben hast für sein Wohl. Er wird es sicher verstehen, wenn er älter ist, und bis dahin musst du ihn wohl entweder zu seinem Glück zwingen oder ihn ziehen lassen.

  13. Marina Says:

    Das befürchte ich ehrlich gesagt auch. Es tut natürlich weh, dass er es jetzt nicht versteht, dass du das alles nur für ihn gemacht hast. Aber mit der Zeit wird er es immer mehr kapieren, und dann wird er dir dankbar sein, da bin ich mir sicher.

  14. eine mutter Says:

    wie kannst du auf diese weise öffentlich über dein kind reden? finde ich eher rücksichtslos. warum soll er mit 16 verstehen, worauf du verzichtet hast? armes kind.

  15. Astrid Says:

    Schreib doch bitte mal etwas über Homosexualität. Das fände ich sehr interessant.
    LG, Astrid

  16. alleinerziehende Says:

    @eine mutter
    keine Sorge, mein Sohn ist ein eigenständiger junger Mann von 20 Jahren, der selbst denken kann. Ich rede nicht öffentlich über mein Kind, sondern über das Alleinerziehen.Von dem Blog habe ich ihm trotzdem jahrelang nichts erzählt, er hat es dann erst mit 19 glaube ich gelesen.

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