Als ich mich freuen sollte

Folgenden Text habe ich mir Anfang letzten Jahres von der Seele geschrieben, als ich merkte, dass meine Gefühle in eine ganz andere Richtung gingen, als es von mir erwartet wurde. Eine Freundin (39) hatte mir vertraulich eröffnet, sie sei schwanger.

diesmal sollte ich mich freuen (Bild © Spectral-Design - Fotolia.com)

(Bild © Spectral-Design - Fotolia.com)

Ich bin wütend.

Was erwartet sie? Dass alle zuckersüß eine Aufwartung machen und ihr strahlend zu dem freudigen Ereignis gratulieren, als wäre sie nicht allein, mittellos, mit unsicherem Job, gesundheitlich stark angeschlagen, selbst wieder von ihren schon erheblich gealterten Eltern abhängig und als wäre das Kind nicht von einem Mann, der bereits vergeben ist – der verheiratet ist? Als wäre das Kind nicht wieder Ergebnis eines grenzenlosen Egoismus, der mal so eben mit dem Feuer spielt, mit einem Menschenleben, das dabei heraus kommen könnte und nun auch kam. Als wären all diese Umstände vernachlässigbar, weil sie in ihrer grenzenlosen Egomanie meint, sie allein würde in ihrer Person all das vereinen, was das Kind zu einem glücklichen Leben bräuchte, ihre Liebe und ihre Fähigkeiten allein würden das Fehlen einer stabilen Situation gewissermaßen überstrahlen, ihr liebevolles Lächeln allein würde den Tag in der Kinderkrippe und die Sehnsucht und die verpasste Nähe kraft ihrer alles überwindenden Person wiedergutmachen?

Soll ich ihr dazu gratulieren, dass sie, sollte sie nicht schleunigst den Kurs ihres Lebens mit aller Kraft und Anstrengung um 180° drehen, indem sie den Esoterik-Unsinn an den Nagel hängt, ebenfalls an den Nagel hängt irgendeinen höheren Sinn/Erkenntnis/Gewinn aus komplizierten und unethischen Beziehungen gewinnen zu wollen, und sich sofort statt dessen einen Versorger sucht und mit ihm stockkonservativ eine Familie gründet, geradewegs darauf zu rennt, mit allergrößter Wahrscheinlichkeit und unwiderruflich ein Sozialfall zu werden?

Soll ich ihr dazu gratulieren, eine so haarsträubenden Dummheit gemacht  zu haben, wie sie nur naive, ungebildete und wertemäßig verwirrte 16-jährige machen? Mit fast 40? Und soll ich ihr dazu gratulieren, dass sie sich für gebildeter, ethischer und weiser als eine 20-jährige Frisöse zu halten, die nicht mit verheirateten Männer in der Welt herumvögelt, die statt dessen ihren Freund geheiratet hat, weil sie bescheiden genug ist, auf viele Abenteuer zu verzichten weil sie intuitiv weiß, was für das Kind gut ist, das sie sich wünscht? Soll ich ihr dazu gratulieren dass sie all das nicht getan hat und stattdessen ein geisteswissenschaftliches Orchideenfach studiert hat, den Aszendenten ihres Kindes wird ausrechnen können und dies für klug hält und für pädagogisch sehr wertvoll?

Soll ich ihr dazu gratulieren, dass sie auch mit 40 noch nicht begriffen hat, dass Familie etwas anderes ist als Freunde und dass sie schreckliche Enttäuschungen erleben wird, wenn sie sich mit ihrem Kind auf ihren Freundeskreis verlassen wird?

Soll ich ihr dazu gratulieren, dass sie derart egoman ist, zu glaube, es gäbe für ihr Kind nichts und niemanden besseres als sie selbst, sie selbst, die in den letzten 20 Jahren durch das Leben mehr wie eine Betrunkene getorkelt ist als geraden festen Schrittes gegangen? Die denkt dass sie und nur sie oder der Tod die einzig ethisch vertretbare Möglichkeit ist für ihr Kind, weil sie auf Menschen herabsieht, die ein in ihren Augen materielles und unerleuchtetes Leben führen, weil sie auf Menschen herabsieht, die klaren Auges mit den konkreten Widrigkeiten des Lebens umgehen und damit fertig werden und trotzdem ein warmes, gutes Herz haben, die niemals abtreiben würden weil sie das Leben lieben und sich nicht mit irgendwelchem karmischen Unsinn abgeben, die zwar Gartenzwerge im Vorgarten stehen haben, aber Achtung vor der Heiligkeit der Beziehungen solcher haben, die sich ehelich einander versprochen haben, die sich niemals in solche Beziehungen einmischen würden, die nicht ihre kostbare Zeit, Energie, ihren Geist und ihre Lebenskraft mit abgehobenen Theorien einer halb wahnsinnigen selbst ernannten esoterisch-spirituellen Größe verschwenden sondern statt dessen zäh und ausdauernd ein konkretes Nest bauen mit allen menschlichen Schwächen und Fehlern aber auch mit der menschlichen Festigkeit, Verlässlichkeit, Wärme  und Liebe, die das Leben erst lebenswert macht?

Soll ich ihr dazu gratulieren, dass sie, wenn sie diesen Weg auch nur annähernd weitergeht, eines Tages die größten Schuldgefühle ihrem Kind gegenüber haben wird und sich nichts mehr wünscht, als all ihre Dummheit, ihre egomane Ignoranz wieder gutmachen zu können?

Immerhin gratuliere ich zu dem Entschluss, diesmal nicht abzutreiben. Es ist ein Schritt in die richtige Richtung, wenn auch vermutlich nicht so intendiert.

5 Antworten to “Als ich mich freuen sollte”

  1. Thomas Says:

    Zu oft fallen manche Frauen, die Liebe und Nähe suchen, leider auf verheiratete Männer ein, weil sie zwangsläufig lockerer und kompetenter auftreten können – insbesondere wenn die Ehe Alltag geworden ist.

    https://antialleinerziehende.wordpress.com/2009/03/07/das-konfiszierte-t-shirt/#comment-80

    „Männer geben die Selbstbestimmung ihrer Sexualität aus der Hand, wenn sie mythologisch die weibliche Erotik-Fremdbestimmung zulassen, die Frauen dann auf einen Sockel heben und sich dann darüber beklagen daß sie dort sind.“

    Damit geschieht es daß ein Mann seine Männlichkeit definiert, wie sein Erfolg bei Frauen ist und sich weitestgehend mit diesem Ziel und Strategien und „Maschen“ zur Umsetzung dieses Ziels widmet, ohne sich anderer Möglichkeiten und vor allem der Verantwortung für ein entstehendes Leben bewusst zu sein.

    Wichtig ist der „Erfolg“ und die daraus definierte „Männlichkeitsbestätigung“? Alle kennen das Schimpfwort Wi…für jemanden, der nicht in der Lage ist „heranzukommen“.

    Genau diese „matriarchale Steuerung“ wird dann gespielt und es passiert, was Beate Kricheldorf beschrieben hat, es gibt nicht den männlichen Eroberer, sondern es geschieht nur das was die Frau zulässt. Manche Männer beklagen sich darüber, halten dieses aber über o.g. Prozess mit aufrecht.

    Mit dem Nebeneffekt daß sich so Mancher zu wenig Gedanken über Verhütung und Verantwortung macht?

    Welche Möglichkeiten und Chancen ergeben sich hier Jungen zu entwickeln?
    „Schuld“ – hat an unserem Kulturerbe m.E. Niemand.

    Ich denke manchmal, die Emanzipation für Frauen und Männer hat noch nicht einmal begonnen….

  2. alleinerziehende Says:

    Hallo Thomas!

    Dass sich Männer (im Allgemeinen) zu wenig Gedanken über Verhütung machen und zugleich quasi permanent ‚auf Jagd‘ sind, ist meiner Meinung nach auch ganz simpel durch die Hormone erklärbar. Deshalb sind mindestens 95% der Pornographie für Männer und nur maximal 5% für Frauen produziert. Frauen sind da halt anders 🙂

    Zum Thema „verheiratete Männer“ denke ich, dass da auch ins Spiel ein Eroberungsehrgeiz der Frau kommt. Unverheiratete Männer zu erobern – das ist ja einfach, insbesondere wenn man attraktiv ist. Bei verheirateten Männern ist das viel schwieriger – und man wird dann mit der Gewissheit belohnt, dass frau diesem Mann sooo viiiel Wert ist, dass er sogar alles, was er sich aufgebaut hat und die Frau, die er geheiratet hat und die auch nett und attraktiv ist, aufs Spiel setzt. Ich glaube, so eine Psychodynamik schwingt oft unbewusst mit bei Frauen. Ich denke auch, dass es oft Frauen mit geringem Selbstwertgefühl/Selbstrespekt sind, die solche Beziehungen eingehen. Die brauchen das nämlich ganz besonders, diesen Beweis, dass sie eben doch besser, schöner, attraktiver sind, weil sie sich ohne dem irgendwie klein und einsam und schäbig fühlen. Und wenn dann die noch-Ehefrau oder ex-Ehefrau auch noch sehr unter der Trennung oder unter dem Ehebruch leidet, vielleicht Theater macht, Eifersuchtsszenen, Streit um Kinder etc etc, dann ist das ja noch einmal ein Beweis für die ‚Größe‘ und gefährliche Attraktivität der frau, mit welcher der eigentlich verheiratete Ehemann sich im Seitensprung eingelassen hat.

  3. Thomas Says:

    Vielen Dank für die erweiternden Informationen!

    Das „auf der Jagd“ als Mann kenne ich.

    Legt eine Frau Wert auf diese „Herausforderung“ und orientiert sich an verheirateten Männern, kann es natürlich auch recht schief gehen.

    Single-Männer, die auf Biegen und Brechen eine Partnerin suchen und sich beim Date abstrampeln wirken dagegen eher uninteressant. Das macht nicht unbedingt attraktiver.

    Ich finde es drollig heutzutage die ganzen Date-Internetseiten, die immer mehr werden. Mir beschrieben auch schon mal Frauen, die sich dort orientieren wollten, wie sie mit Mails überhäuft werden.

    Manchmal tun mir diese Männer leid. Besser wäre es wenn sie diese Abhängigkeit vom Weiblichen nicht mehr hätten. Teilweise werden sie dann ausgenutzt für Hilfs- und Umzugsarbeiten.

  4. /ajk Says:

    Himmel, ich hätte gerne Deine Telephonnummer und Bild 😀 😀 😀 😀 😀

  5. Master Chief Says:

    Bis auf einen Rechtschreibfehler teile ich Deine Gedanken zu 100%.

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