Über die Autorin

Ich bin eine 40 Jahre alte Frau und habe einen 16-jährigen Sohn.

1992 war ich Studentin im dritten Semester einer Geisteswissenschaft. Um mein Studium und mein 1-Zimmer-Appartement zu finanzieren (und aus Spaß und aus Abenteuerlust), fuhr ich damals Taxi in einer Großstadt. Dabei lernte ich einen Taxifahrerkollegen kennen, in den ich mich total verknallte.

Weil ich abenteuerlustig und naiv war, wurde ich von ihm schwanger noch bevor ich den vereinbarten Termin bei der Frauenärztin wegen des Rezeptes für die Pille wahrnehmen konnte.
Da ich schon damals überzeugt davon war, dass Abtreibung eine Art Mord ist, kam für mich eine Abtreibung auf keinen Fall in Frage. Von Anfang an wusste ich, dass ich das Kind haben werde.

Smiling Mother Hugs Sleeping Baby

Ich wollte mich auf eine feste Beziehung mit meinem damaligen Freund (dem Taxifahrerkollegen) einlassen. Er verließ mich jedoch zwei Wochen nachdem wir wussten, dass ich schwanger war. Ich war sehr in ihn verknallt (… töricht, aus heutiger Sicht, aber damals …)

Dass er mich verlassen hatte, machte mich sehr, sehr unglücklich. Ich habe knapp 5 Jahre gebraucht, bis ich darüber hinweggekommen war. Drei Jahre davon habe ich jeden Tag und jede Nacht an ihn, den Vater meines Kindes gedacht und ihm hinterhergetrauert. Es war sehr schmerzhaft.

Die darauffolgenden zwei Jahre lang habe ich zumindest viel an ihn gedacht. Dann habe ich während meiner Ausbildung einen Mann kennengelernt, in den ich mich verliebt habe. Mit ihm hatte ich eine kurze Affaire . Danach war ich ‚geheilt‘ – der Schmerz des Verlustes war weg.

Warum es so lange dauerte, obwohl ich (aus heutiger Sicht) naiv und dumm war und er definitiv nicht der richtige Mann für mich? Ich vermute, es hängt damit zusammen, dass ich ein Kind von ihm hatte. So wie der Körper Instinkte hat, hat auch die Seele Instinkte. Und wenn ein Kind ins Spiel kommt – sind die Instinkte unüberwindbar stark.

Der Vater meines Sohnes hat die Vaterrolle von Anfang an abgelehnt. Ich habe in den ersten beiden Jahren intensiv versucht, den Vater meines Sohnes für einen regelmäßigen Kontakt zu meinem Sohn zu gewinnen, aber meine Bemühungen scheiterten daran, dass er Verabredungen konsequent nicht einhielt, dass ich noch verliebt in ihn war (was er wahrnahm, wie ich vermute, und ablehnte) und dass er glaubte, es sei besser, ein Kind habe gar keinen Vater als einen Wochenendpapi.

Ich bin nach meinem im dritten Semester abgebrochenen Studium zweieinhalb Jahre mit meinem Sohn zu Hause geblieben. Als mein Sohn 6 Monate alt war, zog ich mit einer anderen Allleinerziehenden, die ich über eine Zeitungsannonce als Gleichgesinnte gefunden hatte, in eine Wohnung zusammen. Das ging im ersten Jahr sehr gut. Dann stritten wir uns öfters, weil unsere Wertevorstellungen auseinandergingen. Und: es fiel uns beiden die Decke auf den Kopf. Ich war die Ehrgeizigere, die Karriere und Zukunft über die momentane Situation stellte, außerdem war ich organisiert nach Plan, während meine WG-Partnerin mehr die Spontane war, die weniger ehrgeizig war und eher nach Männern als nach einer Ausbildung Ausschau hielt. Nach 2 Jahren Wohngemeinschaft lösten wir die WG auf.

Als mein Sohn 2 Jahre alt war, bekam er einen Krippenplatz. Als er 2,5 Jahre alt war begann ich eine Ausbildung. Es war eine anspruchsvolle schulische Ausbildung in einem technischen Beruf. Ich brachte meinen Sohn in die Krippe, besuchte die Berufsakademie, holte meinen Sohn unmittelbar danach nachmittags von der Krippe ab, und kümmerte mich bis abends ca. 20:00 um meinen Sohn. Als er im Bett war setzte ich mich an den Schreibtisch und lernte für die Ausbildung. Wir hatten viele Prüfungen und ich verließ meine Schreibtisch nie vor 24:00. Am Wochenende war mein Sohn bei meiner Mutter und ich lernte jeden Samstag und Sonntag.

Auf diese Weise brachte ich die Ausbildung mit guten Noten hinter mich und bekam eine Stelle bei einer großen, angesehenen und weltweit bekannten Firma. Ich arbeitete ganztags. Mein Sohn ging in einen Ganztagskindergarten (der trotzdem nicht besonders alleinerziehendenfreundlich war) und als er in die Schule ging besuchte er seit der ersten Klasse den Hort, wenn die Schule aus war. Ich holte ihn im Kindergarten bzw. Hort um 17:00 – kurz vor Schluss – ab.

Als bei der großen Firma, bei der ich angestellt war, Stellen abgebaut wurden, verließ ich die Firma und machte mich mit einer Geschäfstidee selbstständig. Damit verwirklichte ich einen Traum: mein eigenes Unternehmen.

Ein Jahr später verließ ich fluchtartig die Großstadt und zog aufs Land. Mein Sohn war zunehmend in den Sog von Jugendlichen mit kriminellen Energien gelangt. Wegen einem Brandstiftungsdelikt wurde er in meiner Anwesenheit 1,5 Stunden bei der Kriminalpolizei intensiv verhört.
Das erste Mal in meinem Leben hatte ich das sichere Gefühl, gegen Wände zu rennen, gegen die ich nicht ankam. Die Wände waren die Eltern der Freunde meines Sohnes und die ganze soziale Umgebung, in der wir lebten.
Außerdem hatte ich in diesem ersten Jahr, in dem ich zu Hause und nicht ganztags in der Firma war, bemerkt, dass mein Sohn in der Schule Probleme hatte. Ich merkte, dass er offenbar im Hort nie gelernt hatte, sich auf seine Hausaufgaben zu konzentrieren. Er hatte die ersten drei Jahre in der Schule mit guten oder mäßigen Noten verbracht – nun, in der vierten Klasse wurde immer klarer, dass er es nicht aufs Gymnasium (mit dem ich fest gerechnet), ja nicht einmal auf die Realschule schaffen würde. Meine Anwesenheit zu Hause mit Hausaufgabenkontrolle und Lernstunden brachten statt Erfolgen Streit und Spannungen zwischen uns. Mir gingen die Augen auf – ich erkannte, wie es meinem Sohn wirklich ging in der Schule und mit seinen „Freunden“. Er kam nach der vierten Klasse Grundschule in die Hauptschule und ein teuflischer Kreis von sozial schlechtem Milieu, Demotivation, schlechten Vorbildern, Misserfolgen und immer beunruhigenderen Ereignissen mit seinen „Freunden“, bis hin zu kleinkriminellen Delikten begann. Wie gesagt – als ich begriff, dass ich dagegen nicht mehr ankam, verließ ich die Großstadt und zog mit ihm in eine Kleinstadt mit 6000 Einwohnern ca. 350 km entfernt.

Vier Jahre später, mein Sohn war 15 Jahre alt, war ich mit meinem Unternehmen pleite und musste für 4 Monate Arbeitslosengeld (Hartz IV) beantragen – dann konnte ich mein Unternehmen verkaufen. Nun lebe ich von dem Erlös aus meinem Unternehmen und starte gerade ein neues Unternehmen.

Mein Sohn ist jetzt 16 Jahre alt. Er geht auf die neunte Klasse Hauptschule und wird dieses Jahre seinen „qualifizierenden Hauptschulabschluss“ machen.

Ich selbst habe Abitur, ein Bachelor in einer Geisteswissenschaft und eine abgeschlossene, technische Ausbildung.

Warum mein Sohn auf die Hauptschule und nicht zumindest auf die Realschule geht, warum ich 4 Monate von Hartz 4 lebte (shame! on! me!!!!), warum ich früher feministisch-links und heute mittig-rechts-konservativ bin, außerdem dezidiert christlich gläubig, darüber möchte ich in diesem Blog berichten.

Foto © ksurrr – Fotolia.com

6 Antworten to “Über die Autorin”

  1. markusoliver Says:

    Wenn Du eine E-Mail-Adresse veröffentlichen würdest, könnte man Dir auch mal Informationen zukommen lassen, die nicht jeder lesen soll.

    Manchmal kann ein klein wenig Hilfe nützlich sein, nicht wahr?

  2. Flash Says:

    Bisher kommt im Blog hauptsächlich das Familiäre zur Sprache. Es wäre hochinteressant, auch zum „dezidiert Christlichen“ noch mehr zu erfahren. Der Lebenslauf mit so vielen Hürden und Wandlungen läßt auf tiefe und wichtige Erkenntnisse schließen.

  3. kopfschüttel Says:

    Du hast Deinen Sohn jahrelang emontional vernachlässigt und machst jetzt die Gesellschaft dafür verantwortlich, dass er nicht so „funktioniert“ wie das in Deinen Vorstellungen sein sollte?

  4. juki Says:

    wow…
    mehr als diese lebensgeschichte beschäftigt mich gerade
    @kopfschüttels kommentar… ich bewege mich wahrscheinlich in den falschen kreisen, denn so viel vorverurteilung, gehässigkeit und ignoranz kommt mir selten unter.

    ich jedenfalls bin beeindruckt über die disziplin und kraft die anscheinend in dir steckt, liebe verfasserin!

  5. juki Says:

    …nachtrag:

    wenn ich auch in vielen dingen die hier im blog vertretene meinung so gar nicht unterstützen kann!

  6. alleinerziehende Says:

    @juki
    „kopfschüttel“ ist vermutlich nur ein Troll …. An seinem Kommentar sieht man, dass er/sie das Blog gar nicht gelesen hat, denn die Aussage dieses Blogs ist gerade das Gegenteil von der Aussage, die „kopfschüttel“ kopfschüttelnd mit seiner/ihrer Frage macht.

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