Theater, Musik und Kunst

Theater der Jugend in München

Theater der Jugend in München (2003)

Am Wochenende war ich mit Freundinnen in einem Restaurant.

H. meinte:

„Wenn man ein Kind von klein auf mit Theater, Musik und Kunst in Berührung bringt, dann wird es später, wenn es erwachsen ist, darauf zurückgreifen und Theater, Kunst und Musik gegenüber aufgeschlossen sein und Verständnis dafür haben, ja geradezu danach verlangen.“

Ich hielt dagegen:

 „Das ist manchmal so, aber nicht immer. Es kommt auf das Kind an. Ein Kind ist nicht wie ein programmierbarer Computer, das man nur mit den richtigen Inhalten füttern muss, damit eines Tages das entsprechende Ergebnis ausgegeben wird. Mein Sohn hat sich weder für Theater, noch für Ballett oder Oper interessiert. Wir haben ein paar wirklich gelungene, altersgerechte Aufführungen besucht im Theater der Jugend in München und im Nationaltheater. Während mir das Herz höher schlug, fand er das alles schrecklich langweilig. Das Leben ist kompliziert.“

H. ist ledig, 43 Jahre alt und hat keine Kinder (vor ein paar Jahren wurde sie schwanger, da hat sie abgetrieben).
Deshalb denkt sie so!

5 Antworten to “Theater, Musik und Kunst”

  1. Alrik Says:

    Tja, typisches Bildungsbürgertum 😉
    Wobei es ziemlich schwierig ist, als Kind nicht mit Musik, Kunst und Theater in Berührung zu kommen.

    Wobei, wenn das Kiddie statt Balett & Oper Breakedance & Negermusik macht ist das dem Bildungsbürger auch nicht recht. 😉

  2. Ariane Says:

    Im letzten Absatz hätte „H. ist kinderlos“ gereicht. Weshalb ein Hinweis auf eine Abtreibung hier relevant sein soll, verstehe ich nicht.

    Selbst als Kinderlose kann sie die richtigere Meinung als jemand mit vielen Kindern haben, gleich wie ein Psychologe seine Meinung zur Atomenergie haben kann, obwohl Physik nie seine Stärke war.

    Hm, aber interessant. In meiner Verwandtschaft toben alle Kinder vor Freude wenn sie in die Oper dürfen. Aber nicht etwa bei Jugendvorführungen, sondern bei „normalen“ Inszenierungen, wobei sie an klassischen Inszenierungen sehr interessiert sind, moderne Dinge aber nicht so mögen. Ist wohl auch nicht jederkinds Sache, auf der Bühne nackte Rentner mit Micky-Maus Masken zu sehen.
    Kann sich dein Sohn echt nicht begeistern, wenn er etwa die Aufführung der Zauberflöte in Berlin sieht (Deutsche Oper, in der komische Opfer ist das eine eklige Aufführung)? Kann dem echt ein Mensch widerstehen? Oder forza del destino? Das ist ja packend. Langweilt er sich, weil es ihm wirklich nicht gefällt oder weil er nur protestieren will und sich demonstrativ langweilt?

  3. alleinerziehende Says:

    @ Ariane

    Ich halte das für eine typische Meinung einer Kinderlosen und denke, die allermeisten Leute mit Kindern wissen aus Erfahrung, dass es nicht so ist. Der Hinweis auf die Abtreibung finde ich deshalb relevant, weil ich der Meinung bin, dass die Erfahrung, ein Kind groß zu ziehen, zu mehr Reife, Weisheit, Einsicht führt und dass die künstliche Verhinderung dessen (durch eine Abtreibung) bei allen daraus resultierenden Vorteilen einer geistigen Bremse in diesen Lebensfragen gleichkommt.

    In Berlin war ich mit meinem Sohn noch nicht, wir haben ’nur‘ das Nationaltheater in München getestet 😉

    Was Du wirklich nicht verstehst, Ariane:
    Wir reden hier über Hauptschule, soziale Probleme, über eine total andere Welt.

    Als ich so ca. 17 war hatte ich einen Bekannten, der den Faust beinahe auswendig konnte und so viel Klassiker las, dass er manchmal schon versehentlich in merkwürdigem Deutsch zu uns sprach, er musste selbst darüber lachen. Das fanden wir toll. Das war cool. Es war erstrebenswert, Theater, Oper, Konzerte, Ausstellungen zu besuchen. Wir haben uns da getroffen und sind gemeinsam hin. Ich kannte keine andere Welt. Alle waren so. Wir sind gemeinsam in die Natur gefahren, an Seen, zum Schwimmen, zum Wandern. Alle hatten einen Sinn für die Schönheit der Natur. Der Welt. Alle waren interessiert an Sprachen, Kultur, Literatur, Musik, Kunst.

    Bei meinem Sohn: das ist so anders, das kannst Du Dir gar nicht vorstellen. Da gibt es nichts Schöngeistiges. Keine Literatur, keine Kunst, Musik: nur Hip-Hop und sowas. Die Sprache ist aufs Minimum verkürzt. Der verwendete Wortschatz vergleichsweise gering, mit gewollt ausländischen Fehlern, wie das Weglassen der Artikel. Interessen: Mädchen, Computerspiele und ab und zu Fitness-Center. Jetzt auch ab und zu Alkohol. Mein Sohn kam vorgestern mit einer schlimmen Fahne nach Hause. Streit, Verbote, Strafen. Ob draußen die Sonne scheint und der schönste Frühlingstag ist, oder ob es schneit interessiert ihn nicht.

    Warum er sich langweilt – dazu muss man erst einmal wissen, was er mit „Langeweile“ meint. Ich bin mir da selbst nicht mehr sicher. Ob es wirklich Langeweile ist. Ich habe das immer als eine Mischung aus echter Langeweile (Unbeeindruckbarkeit) mit Protest gegen die ‚übermächtige Mama‘ empfunden.
    Nun denke ich aber seit 2 Wochen: ob das alles nicht mit einer echten Konzentrationsstörung zu tun haben könnte? ADS genannt?
    Ich werde es bald wissen.

  4. /ajk Says:

    Ist doch vollkommen klar. Ich weiss nicht warum das „ADHS“ genannt wird. Computerspiele sind die nächste Stufe der Informationsübertragung. Alle modernen Strukturen nutzen Muster aus Computerspielen. Er interessiert sich dafür weil er es instinktiv weiss das es sich so gehört. Er braucht dieses Wissen und Verständniss.

    HipHop ist „Männlichkeit pur“. Harte, starke Reime, Widerstand gegen die Gesellschaft die ihm vorschreibt wie er zu sein hat, ausgesprochene Sexuelle starke Wünsche (die völlig normal für Jungs und Männer sind), und Fitness ist extrem wichtig für das Selbstempfinden eines Mannes. Je früher er damit anfängt desto besser. Je besser die Muskulatur und das Körperbewusstsein desto besser kann er denken und fühlen. Und er ist sicherer weil er fühlt das er sich verteidigen könnte. Alkohol ist ebenso wichtig, Grenzerfahrung und Rausch der Befreiung. Ausserdem ist es ein Ritual zwischen Männern, auch wie viel man verträgt.

    Ich verstehe überhaupt nicht wo ein Problem ist. Er macht, als Junge, alles richtig. Er orientiert sich an Starken Mannsbildern (auch wenn HipHop etwas grobschlächtig ist), er kümmert sich um seinen Körper, er kümmert sich um das notwendige Wissen um das Verständniss der Bedienung ALLER neuartigen Werkzeuge der Zukunft, und er traut sich dem Rausch hin.

    Er ist weder krank noch ADS noch sonstwas. Schule ist langweilig weil sie veraltet ist. Das Wissen darin wird nur um der Noten willen vergeben. Das ist was für Mädchen, nicht für Männer die sich im Leben BEHAUPTEN MÜSSEN.

    Es fehlt nicht nur ein Vater für den Sohn, es fehlt auch eine Mutter die ein Verständniss für dieses Verhalten des Sohnes hat.

    Nur kurz, so als Mann, Männer kommunizieren anders als Frauen. Sie tun das durch Gesten. Alles andere ist unnütz und sinnlos. Lange zu reden das man jemanden mag ist Schmarrn. Zeigen durch Gestik. Das ist alles. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.

    Himmel ich bin genau in der gleiche Scheisse aufgewachsen wie dieser Junge. Man verhält sich auf eine Weise die man selber nicht kapiert.. Grummel

    /ajk

  5. Alleinerziehende Says:

    Danke für Deine interessanten Kommentare! 🙂

    Kurz zum Hip-Hop:
    das ist meiner Meinung nach nicht vor allem männlich, sondern vor allem kriminell. Früher gab es männliche Rollenvorbilder, die zwar extrem männlich, aber nicht unmoralisch waren. Z.B. John Wayne, Superman etc. Im Hip Hop hingegen wird Versagen und Asozialität idealisiert, romantisiert. Das ist ja das Fatale daran. Männlichkeit wird im Hip Hop mit einer Tendenz zum Kriminellen und Asozialen assoziiert.

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