Im Leben gibt es nichts umsonst

In den letzten Jahren hat mein Sohn mir immer wieder Geld aus der Geldbörse gestohlen. Manchmal war ich mir nicht sicher. Es gab ein paar Mal großen Krach und in letzter Zeit hat das aufgehört – war mein Eindruck.

Nun ist mein Sohn auf Klassenfahrt (Hauptschul-Quali-Abschlussfahrt) in Berlin. Er wollte unbedingt einen Laptop mitnehmen. Da er keinen besitzt, wollte er einen von meinen drei Laptops, die aber alle drei für mein Unternehmen wichtig sind und auch ausschließlich dafür bestimmt sind, mitnehmen. Ich habe es ihm sehr deutlich und ausdrücklich streng verboten.

Laptop und Internet

Mit auf Klassenfahrt nehmen - streng verboten. (Bild© HLPhoto-Fotolia.com)

Gestern habe ich bemerkt: ein Laptop fehlt. Habe sofort meinen Sohn in Berlin angerufen. Der leugnete erst, gab es dann aber gleich zu: ja, er habe meinen Laptop dabei.

Ich konnte es nicht fassen. Diese Missachtung von Eigentum, Regeln, die Ignoranz gegenüber den Interessen meiner Firma (Neustart), von deren Erfolg wir finanziell abhängen, und das charakterschwache Lügen und mich-Hintergehen bringen mich zur Weißglut.

Was sollte ich nun tun? Eine unmissverständliche Konsequenz, ein klares und schmerzhaftes Zeichen muss sein! Zuerst wollte ich seinen supertollen extremschnellen  und teuren Game-Computer, den er erst zu Weihnachten bekommen hat, verkaufen. Dann sagte ich mir: erstmal cool down. Ich neige oft zu unüberlegten Schnellschlüssen. Hier muss eine kluge Lösung gefunden werden.

Ich kam auf die Idee, im Internet zu suchen, was andere Eltern in solchen Situationen machen: google „Mein Sohn klaut“.

Sofort stieß ich auf diese (Link klicken!) Website.

Zitate:

„(…) Er ist übrigens 12 Jahre alt und ich bin allein erziehend“

„(…) bin alleinerziehende mama von 3 jungs und er macht mir am meisten schwierigkeiten und ich werde doch bald das jugendamt einschalten“

„(…) die ki-psych hat mir nahegelegt.. meinen sohn in ein internat zu geben. ich bin auch alleinerziehend und (…)

Super, dass heutzutage Beruf und Kinder so klasse unter einen Hut zu bringen sind. Dank Frau von der Leyens Kinderkrippenplätze in Zukunft ja noch mehr! Bahn frei für die „Einelternfamilie“!

Nun ja, brauchbaren Tipps habe ich auf dieser Diskussionseite keine gefunden, aber ich habe mir selbst etwas ausgedacht. Beruflich will mein Sohn später mal programmieren oder sowas in der Richtung machen. Mit einem Hauptschulabschluss hat er da aber erstmal keine Chance.

Die Strafe fürs Laptop-Klauen wird sein: Er wird keinen Internet-Anschluss mehr haben. Um diesen wieder zu bekommen wird er – mit meiner starken Unterstützung (ich hab’ne Ausbildung in der Richtung) – ein Buch durcharbeiten, womit er spielerisch Visual C# programmieren lernt. Es gibt im Leben halt nichts geschenkt. Auch nicht meinen Firmenlaptop.

Wenn er mit dem Buch fertig ist – es wird ca. 2 Monate dauern, wenn er (wir) dran bleiben – bekommt er sein Internet-Kabel wieder und kann wieder chatten und online ‚zocken‘. So hat er erstens ein wirklich großes und schwieriges Ziel erreicht, das weit über die lauen Hauptschul-Anforderungen hinausgeht. Zweitens findet er vielleicht tatsächlich Spaß am Programmieren und hat ein neues Hobby. Drittens wird er zum ersten Mal erleben, dass man sich selbst etwas beibringen kann – dass man ein selbst gestecktes Ziel mit zäher Ausdauer erreichen kann. Könnte eine Lektion fürs Leben sein. Viertens: wenn er – trotz meiner Unterstützung – scheitert, weiß er, dass Programmieren und Ähnliches beruflich doch nicht in seiner Richtung sind und orientiert sich eher in eine handwerklichere Richtung, sowas wie Installateur oder Malerhandwerk.

Nun heißt es konsequent sein und hart bleiben. Das wird nicht einfach in den nächsten Wochen/Monaten, glaube ich.

Morgen kommt er aus Berlin zurück. Das Internet-Kabel habe ich bereits abgebaut (durch 2 Wände).

Wenn ich nochmal ganz von vorne anfangen könnte, würde ich mit Mann (!) und Kind nach Österreich ziehen und die ersten vier bis fünf  Schuljahre meine Kinder selbst unterrichten (Home Schooling). Vielleicht ist das ein wenig größenwahnsinnig. Aber die Lust am Lernen ging bei meinem Sohn definitiv während der Grundschulzeit verloren. Sich ein Ziel zu stecken, zäh dafür arbeiten und das Ziel erreichen – das hat er glaube ich noch nie so richtig erlebt. Und das ist in meinen Augen das, worum es in der Schule wirklich geht.

Über Home Schooling ein anderes Mal mehr. Eine Schande, dass das in Deutschland verboten ist. Der Staat weiß bei  uns ja besser Bescheid, was für unsere Kinder gut ist – nicht die Eltern. Das Verbot des Hausunterrichts geht übrigens auf das Dritte Reich zurück, 1938 wurde das Reichsschulpflichtgesetz erlassen.

„The only time my education was interrupted was when I was in school.“ George Bernard Shaw

6 Antworten to “Im Leben gibt es nichts umsonst”

  1. Alrik Says:

    Was hat der Internetzugang mit dem unerlaubten Entfernen des Laptops zu tun ?
    Strafe sollte schon sein, aber die Strafe sollte auch einen Bezug zur Tat haben.
    Ich würde ihm zumindest die Doppelte Leihgebühr für die Laptops in Rechnung stellen… 😉

    Wegen Programmieren als Hauptschüler…
    Warum nicht ? Mit der nötigen Motivation kann man einiges erreichen.
    Es gibt einige Fan-Projekte die Computerspiele erheblich modifizieren (so entstand auch Counterstrike), diese Projekte haben immer Bedarf an Mitarbeitern…

    http://www.moddb.com/

  2. Ruth Says:

    Er musste doch wissen, dass du das merkst und ihn zur Rechenschaft ziehen wirst? Ist ja was anderes als ein paar Euro aus dem Portemonnaie nehmen; das kann schon mal unentdeckt bleiben. Entweder ist er sehr stark impulsgesteuert, oder er denkt: „Lass Mama reden; das geht vorbei.“
    Hast du schon erfolgreich mit deinem Sohn gelernt? Bei uns ging das interessanterweise mit denen, die gut in der Schule waren, prima. Mit meinem Jüngsten (Hauptschüler) überhaupt nicht – er war immer überzeugt, alles zu können und zu wissen. Habe manchmal gedacht, Schulerfolg hat ganz viel mit Belehrbarkeit= Korrigierbarkeit=“Demut“ (in diesem spezifischen Bereich) zu tun. Auf jeden Fall ist das schon mal die halbe Miete.

    Internet wegnehmen finde ich schon eine passende Konsequenz – wenn du dich damit nicht selbst bestrafst?! Oder er einfach zu einem Kumpel geht und zockt und chattet?

  3. alleinerziehende Says:

    Hallo Alrik und Ruth,

    ob das jetzt die super Lösung ist oder nicht, darüber lässt sich natürlich streiten … 😉 Zumindest geht es nach dem Motto „es gibt im Leben nichts umsonst“ (übersetzt: wenn Du was haben willst (Laptop, Internet), musst Du dafür arbeiten, Dich anstrengen)
    Nein, ich hätte das Fehlen des Laptops normalerweise nicht bemerkt … und ich habe nur sein LAN Kabel entfernt, in meinem Büro habe ich noch Internetanschluss.

    „er war immer überzeugt, alles zu können und zu wissen“ – Ruth, das kenne ich von meinem Sohn auch!!! Interessant! Ich habe mir schon gedacht, dass ich ihn als kleines Kind zu häufig gelobt habe, aus Angst, ihm weh zu tun oder ihn zu demotivieren. Das ist ja auch so eine Erziehungs-Mode, dass mein sein Kind motivieren soll und nur ja nie zu verletzend kritisieren soll…. irgendwie hat er da keine gute Selbsteinschätzung mitbekommen. Vielleicht ist das auch ein bisschen typisch Junge. Mittlerweile kann er sich aber ein wenig besser einschätzen, nachdem er ein paar Mal deftig auf die Nase gefallen ist.

    Er kann übrigens zu seinem Kumpel gehen und zocken so lange er mag. HIER kann er halt nicht mehr online chatten/zocken etc., bevor das Buch nicht bis zur letzten Seite durchgeabeitet ist. Kann von mir aus auch Jahre dauern 😉

  4. alleinerziehende Says:

    Fast 1 Jahr später mal ein Update …
    Mein Sohn hatte das Visual C# Buch zu meinem größten Erstaunen sofort, konsequent und ohne meine Hilfe und in kurzer Zeit durchgearbeitet. Statt 2 Monate mit meiner Hilfe hat er knapp 10 Tage ohne meine Hilfe gebraucht.
    Danach hat er seinen Internet-Anschluss bekommen, ich war ziemlich beeindruckt und er war selbst glaube ich auch ein wenig überrascht über sich selbst.
    Allerdings hat er sich seither nicht mehr weiter mit Visual C# auseinandergesetzt. Trotzdem ist sein Berufswunsch nun „Anwendungsentwickler“.
    Er wird vermutlich nach Abschluss der M10 auf die FOS gehen und dann eine Ausbildungsstelle suchen.

  5. kopfschüttel Says:

    Wo sind all meine Kommentare geblieben?????

  6. alleinerziehende Says:

    @kopfschüttel
    Unter dem Blogartikel „Eine neue Perspektive„.

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