Bildung und Jugendgewalt

Der Besuch eines Gymnasiums verringert für Jugendliche aller Nationalitäten das Risiko der Täterschaft; Bildung schützt also vor Konflikten mit dem Gesetz.

(Zitat aus dem FAZ Artikel: Jugendgewalt rückläufig vom 17.03.2009)

Falsch! Nicht die Bildung schützt vor Konflikten mit dem Gesetz! Und nicht der Besuch des Gymnasiums!

Schützt Bildung vor Kriminalität? (Foto©Philippe Minisini/Fotolia.com)

Schützt Bildung vor Kriminalität? (Foto©Philippe Minisini/Fotolia.com)

Sondern die Tatsache, dass auf das Gymnasium prozentual mehr Kinder aus bildungsbürgerlichen Vater-Mutter-Kind(er)-Familien gehen als auf die Real- und v.a. Hauptschule und weniger Kinder von Alleinerziehenden, Migrantenfamilien, Familien mit Alkohol-, Drogen-, Gewalt-, Vernachlässigungsproblemen. Vor allem tradiert dieses Bildungsbürgertum, deren Kinder am Gymnasien überproportional präsentiert sind, einen bestimmten Wertekanon innerhalb der Familie:

  • positives Arbeitsethos
  • Ehrgeiz
  • innerfamiliärer zivilisierter sozialer Umgang miteinander
  • Begeisterungsfähigkeit
  • strukturierter Tagesablauf
  • Wissensdurst
  • Interesse an Kultur
  • kontrollierter, mäßiger Medienkonsum (Fernseher, PC)
  • Verlässlichkeit
  • gewaltfreie Konfliktösungsstrategien
  • kulturelle Übereinstimmung von Elternhaus und schulischem Umfeld
  • positives Verhältnis zu Leistung
  • Basistugenden wie Pünktlichkeit, Ordentlichkeit
  • etc.

Diese Werte, und nicht die Bildung, schützen davor kriminell/gewalttätig zu werden. Die Bildung ist nur ein weiteres Resultat dieser Werte.

Meine Erfahrung mit der Hauptschule ist:

Sobald mein Sohn auf der Hauptschule war, begann ein Teufelskreis. Denn nun war die Schule ein Umfeld, aus dem Kinder mit ‚gutem’ sozialem Hintergrund bereits ausgefiltert waren! Auf der Hauptschule sind Kinder mehrheitlich aus kaputten Familien oder von Alleinerziehenden, aus Migrantenfamilien (kulturelle Konflikte), aus chaotischen Elternhäusern (Gewalt, Alkohol, Drogen, Vernachlässigung, Desinteresse).
Die Schule ist aber der Dreh- und Angelpunkt der Kinder. Dort suchen sie sich ihre Freunde!

Das Ganze ist eine sich selbst verstärkende, negative Spirale nach unten. Schlechte Werte sind normal und die Kinder leben sich diese gegenseitig vor.

Die Hauptschule ist in meinen Augen schon lange keine Schule mehr für intellektuell weniger Begabte, sondern eine Schule für den sozialen Bodensatz der Gesellschaft. Die Kinder dieses Bodensatzes sind so leistungsschwach, weil ihnen Basistugenden fehlen, weil sie falsche Vorbilder haben: weil sie durch ihren familiären und/oder kulturellen Hintergrund so belastet sind, dass sie keine innere Ruhe und nicht die innere Spannkraft haben, für die Schule zu arbeiten. Deshalb sind sie leistungsschwach und teilen sich die Schulbank mit intellektuell tatsächlich weniger Begabten. Und langweilen sich – was alles noch schlimmer macht.

Leute, die denken „Bildung schützt vor Konflikten mit dem Gesetz“ ignorieren all diese Wahrheiten aber, weil diese Wahrheiten politisch nicht korrekt sind.
Sie widersprechen dem linken Wunschdenken, dass, würden alle Menschen finanziell gleichgestellt sein, auch alle Kinder die gleiche Leistung bringen könnten. Sie widersprechen dem feministischen Denken, dass es ganz unerheblich sei, ob Kinder mit oder ohne Vater aufwachsen. Sie widersprechen auch einem Laissez-Faire-Denken à la Rousseau, das die menschliche Natur im instinktgeleiteten Urzustand als ‚unschuldig gut’ begreift und die komplizierten, erdrückenden Regeln und Einschränkungen, die wir unseren Kindern durch die Erziehung aufdrücken, als antiquierte Moralvorstellungen, welche den Menschen nur an seiner Selbstentfaltung hindern, verstehen.

7 Antworten to “Bildung und Jugendgewalt”

  1. ex-blond Says:

    In diesem Zusammenhang lohnt es sich, mal einen Blick ins „Hauptschulblock“ zu werfen. (Natürlich sind Großstadt-Brennpunkt-Hauptschulen schon ein Extremfall.)
    Insbesonder dieser Artikel hier passt gut zum Thema „Bildung und Jugendgewalt“!

  2. Alrik Says:

    Die Hauptschule ist eigentlich nie als Schule für die „Intellektuell weniger Begabten“ gedacht gewesen, sondern als Schule für zukünftige Handwerker und Arbeiter.
    Die Realschule sollte auf einen Beruf in der Verwaltung vorbereiten, das Gymnasium die Hochschulreife vermitteln.

    Was ging also schief ?
    IMHO der deutsche Bildungsbegriff. Bildung wird nicht am Wissen und am Verhalten gemessen, sondern am Titel.
    Man kann menschlich ein Arschloch sein und dumm wie Brot… solange man Akademiker ist gilt man als gebildet.

    Auch wird die Bildungsdebatte grundsätzlich immer in Bezug auf die Studenten und Akademiker geführt.
    Auf der einen Seite wird öffentlich verkündet das Deutschland umbedingt mehr Ingenieure braucht und es wird gegen Studiengebühren protestiert.

    Auf der anderen Seite wird ausgeblendet das Handwerk und Industrie Probleme haben geeignete Auszubildende zu finden, und das Facharbeiter ihre Fortbildung privat finanzieren müssen bzw ihnen Steine in den Weg gelegt werden wenn sie ein Fachstudium beginnen wollen.

    Was nützen Ingenieure, wenn die Menschen fehlen die das umsetzen was Ingenieure planen ?
    Wo ist die horizontale Durchlässigkeit, die es Menschen mit Erfahrung im Berufsleben erlaubt ihr bereits schon vorhandenen Fähigkeiten und Kentnisse auf Fachhochschulen zu vertiefen ?

    Sicher ist es ein Problem das (verhaltensauffällige) Schüler auf die Haupschule abgeschoben werden für die eine geschloßene Erziehungseinrichtung die bessere Alternative währe.

    Ein anderes Problem ist IMHO die Demotivierung der Haupschüler durch die verfehlte Bildungsdebatte. Warum soll man sich anstrengen, wenn man als Hauptschüler eh keinen Ausbildungsplatz bekommt und bei Hartz IV landet ?

    IMHO wird von konservativer Seite die Haupschule zwar Ideologisch propagiert, aber nicht wirklich unterstützt.
    Wo ist der CDU Bildungsminister, der sich hinstellt und erklärt das man als mittelmäßiger Hauptschüler durch harte Arbeit schon mit 24 staatlich geprüfter Techniker oder Meister des Handwerks sein kann, und als Abteilungsleiter / Chef Führungsaufgaben übernehmen darf ?

    Dennoch hat das dreigliedrige Schulsystem keine Zukunft mehr. Nicht einmal die CDU Wähler würden ihr Kind auf die Hauptschule schicken, wenn sie eine andere Wahl hätten.

    Wobei die von linker Seite propagierte Gesamtschule auch keine Lösung ist, da die verhaltensauffälligen und leistungsschwachen Schüler einfach bis zum Ende der Schulpflicht weiterbeschult werden, bevor man sie mit 18 von der Schule schmeißen und den Argen überlassen kann.

    Auch das Gymnasium ist keine heile Welt. Viele ehemalige Mitschüler meiner Geschwister hatten nach dem Abitur keine Ahung wie es weitergehen soll.
    Entsprechend wurde dann erstmal vor sich hin gegammelt oder ein bisschen rumstudiert, mit dem Effekt das sie selbst mit Anfang 30 noch nicht in der Lage sind den eigenen Lebensunterhalt zu finanzieren.

    Allgemein habe ich den Eindruck das bei allen Schulformen viel für die Schule und wenig für das Leben gelernt wird.

    Um mal Eva Herrman zu zitieren: 😉
    Es war nicht alles schlecht… an der DDR.
    Das Schulsystem war knallhart auf die Belange der Wirtschaft ( „Die Produktion“ ) zugeschnitten, mit dem Effekt das man auch ohne allgemeine Hochschulreife eine Berufsausbildung erfolgreich zu Ende bringen konnte.
    Sicher, dabei bleibt wenig Zeit um über die Rettung des Regenwaldes zu diskutieren und Demos gegen den Klimawandel zu organisieren.
    Aber das sind IMHO keine Aufgaben, welche eine Schule erfüllen muß. 😉

  3. Ruth Says:

    Auf Hauptschulen sind wesentlich mehr Jungen als Mädchen; schon von daher ist da mehr Aggressionspotential versammelt.
    Warum Jungen es in unserem Schulsystem schwerer haben, diese Frage habe ich mir oft gestellt. Von meinen 4 Töchtern und 3 Söhnen sind 2 Töchter Akademikerinnen, 1 Vollblut-Familienfrau (gelernte Krankenschwester), 1 Straßenbautechnikerin. Der älteste der Jungen hat nach vielen Anläufen eine Ausbildung als Mediengestalter fertig gemacht, ist verheiratet mit Kind und hat Erfolg (verdient allerdings wenig). Einer arbeitet als ungelernter Arbeiter, der Jüngste lernt mit 21 Jahren Koch nach vielen Praktika und Maßnahmen nach einem miserablen Hauptschulabschluss. Sein „Glück“ war, dass er einen Betreuer vom Gericht bekam, der ihm den Ausbildungsplatz besorgt hat, sonst hätte er noch jetzt außer Unsinn nichts zu tun.
    Ich glaube, Jungen lernen früh, dass Frauen immer stärker und erfolgreicher sind. Anders als meine Brüder hören sie nicht mehr Tag und Nacht: DU musst mal deine Familie versorgen. Streng dich an! Es kommt auf dich an!
    Manche wachen auf, wenn sie niemanden mehr finden, der alles für sie tut und das noch früh genug ist, ehe sie in Alk und Drogen abgesoffen sind.
    Trifft sicher nur auf einen Teil zu, aber könnte was dran sein, oder?

    Natürlich sind auch viele Akademiker nachher arbeitslos, und das motiviert auch nicht gerade, gerade Jungs, die doch sehr „ökonomisch“ denken, wie ein Lehrer mal sagte und mit kleinstmöglichem Einsatz größtmöglichen Erfolg haben möchten.

  4. alleinerziehende Says:

    Ja, Jungen haben es schwerer an unseren Schulen und mittlerweile studieren auch mehr Frauen als Männer.

    Woran das liegt … ich glaube, das hat mehrere Ursachen. Hier ist eine Diskussion über die ‚Feminisierung der Schulen‘ – da ist etwas dran, glaube ich. Und dann brauchen Jungs einen starken Vater. Dann, wie Du auch schon angedeutet hast, brauchen sie Vorbilder – aber die richtigen. Die Psychodynamik in sehr großen Familien ist dazu glaube ich nochmal ein eigenes Thema. Auch adoptierte Kinder kriegen überprozentual oft Probleme, aber das ist bei uns in D ja eigentlich kein Thema. (Ich finde sehr große Familien toll und bin noch dazu für Adoptionen, aber trotzdem sind das so eine Art Risikofaktoren glaube ich).

  5. Katrin Says:

    hm, kennst du die Eliteschulen „phorms“? Eine meiner Freundinnen ist dort Grundschullehrerin und nur zwei von rund zwanzig Kindern kommen aus Nicht-Alleinerziehenden bzw. Patchworkfamilien.

  6. alleinerziehende Says:

    Nein, die kenne ich nicht. Patchworkfamilie fällt für mich nicht unter die Kategorie Alleinerziehende, sondern unter Familie. Ein Anteil von 90% Alleinerziehenden ist natürlich extrem. Vermutlich befindet sich die Schule in der Großstadt. In der Grundschule sind immer alle sozialen Schichten vereint, interessant ist dann, wie sich die Kinder schulisch weiterentwickeln. Es ist ja keine Neuentdeckung, dass dies statistisch belegt häufig (aber nicht immer) vom sozialen Hintergrund abhängt.

  7. alleinerziehende Says:

    Habe mal ein bisschen nach phorms gegoogelt- klingt wirklich super!!! Ich bin überhaupt sehr für Privatschulen. Damals konnte (und später: wollte, – da war ich auch naiv, aber anderes Thema) ich uns so eine Schule nicht leisten, aber ich würde heute mein Kind, wenn ich könnte, auf jeden Fall auf eine Schule wie „phorms“ schicken.

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