Das konfiszierte T-Shirt

So sieht das T-Shirt aus, das mein Sohn von einer Verwandten geschenkt bekommen hatte, und das ich aus dem Verkehr gezogen habe:

Das konfiszierte T-Shirt

Das konfiszierte T-Shirt

Mein Sohn bekam dafür ein Neues. Ich habe ihm gesagt: die Mädchen auf dem T-Shirt sehen aus wie Huren.

Die Mädchen sehen aus wie Huren

Die Mädchen sehen aus wie Huren

Ich habe ihm gesagt, Mädchen machen oft früh Sex mit Jungen, weil sie Jungen gefallen wollen, nicht , weil sie das selbst so gerne möchten. Mädchen ziehen sich oft so aufreizend an, weil sie merken, dass die Jungen das toll finden, aber sie wissen nicht, dass die Jungen es deshalb toll finden, weil es sexuell aufreizend ist. Die Mädchen verstehen nicht, welche Knöpfe sie bei den Jungs drücken, wenn sie mir kurzer Hose und bauchfreiem Top in die Schule gehen. Aber sie finden es toll, wenn sie dann von den Jungen umworben werden.

Noch vor zwei Jahren waren die Zimmerwände meines Sohnes voller Bravo-Poster von Rappern wie 50 Cent, Bushido und fast-pornographischen Bildern von fast nackten weiblichen Popstars. Zum Beispiel dieses Bravo-Poster:

Die BRAVO Welt

Die BRAVO Welt

Ich habe die vor zwei Jahren alle abgehängt und solche Bilder bei uns verboten. Bravo & Co gibt es bei uns seither nicht mehr. Ich habe nach alternativen Magazinen gesucht, aber es gibt eigentlich nichts. Die christlichen Magazine sind gut, aber so deutlich auf bekennende christliche Jugendlichen zugeschnitten, dass sie für meinen Sohn, der sich nicht einmal konfirmieren ließ (trotz meinen Überredungsversuchen) nicht wirklich lesbar sind. Ich habe es mit einem englischsprachigen Magazin für Jungen probiert, das ist hervorragend gemacht, aber leider ist es sprachlich zu schwer.

Ich habe angefangen, mich bei meinem Sohn regelmäßig über die Rap-Liedertexte zu beschweren. Deutschen Rap schaltet er in meiner Gegenwart aus. Ich glaube, er hat dadurch erst ein Bewusstsein von der Art der Texte bekommen, und wie negativ die sind (er hört sie trotzdem gerne).

Auf was ich hinaus will ist:

Ich habe in den letzten Jahren verstanden, dass man entweder sein Kind erzieht – dann braucht man auch die Zeit und Muße dazu. Oder man lässt es bleiben – dann hat man mehr Zeit für andere Sachen im Leben, z.B. für seine Karriere.

Ich glaube, ich habe meinen Sohn lange Zeit nicht wirklich erzogen. Natürlich, Benimmregeln am Tisch, das Zimmer aufräumen, den Nachbarsjungen nicht verhauen. Das schon. Aber alles was darüber hinaus geht: da habe ich mich voll auf Schule, Bücher, Freunde, Lehrer, Hort, Erzieher im Hort usw. verlassen … habe da nicht so genau hingeschaut – konnte gar nicht so genau hinschauen, weil ich ja meist in der Firma und nicht zu Hause war.

Am Wochenende habe ich die Wäsche gewaschen, die Wohnung sauber gemacht, eingekauft, Sonntags ausgeschlafen. Manchmal etwas mit meinem Sohn unternommen, aber oft war er bei seiner Oma.

Die innere Welt meines Sohnes war mir eigentlich ziemlich unbekannt. Als alles immer schwieriger wurde habe ich angefangen, intensiv darüber nachzudenken, woran das wohl liegen mag. Ich habe sehr lange gebraucht, bis ich begriffen habe, dass der Teufel hier weniger im Detail, als im gesamten Arrangement „Alleinerziehend“ lag.

Und dass die moderne Parole:

„Entscheidend ist die Qualität der gemeinsam verbrachten Zeit für die Eltern-Kind-Beziehung, nicht die Quantität“

nicht stimmt.

Weil: es braucht Zeit, um sich mit der Welt eines Kindes oder eines Jugendlichen auseinanderzusetzen. Es braucht Zeit, um sich eine Meinung über die Inhalte aus Fernsehen, Zeitschriften, dem Internet zu bilden und entsprechend zu reagieren: zu lenken, bewusst zu machen, zu besprechen, zu verbieten, Alternativen zu suchen usw. Es braucht Zeit, um ein materiell gutes Zuhause zu bieten und ein geistig gutes Zuhause. Es braucht Zeit, um auch einfach mal nur da zu sein, anwesend zu sein. Es braucht Zeit, um die Freunde zu beobachten und über sie nachzudenken. Es braucht Zeit, um sich eine so feste Meinung zu bilden, dass man dann auch darüber reden kann. Es braucht Zeit, um zu streiten und Grenzen zu setzen und den Widerstand auszuhalten, es braucht auch Zeit, um sich davon wieder erholen zu können. Es braucht Zeit, zu erinnern, zu mahnen, nachzufragen, interessiert zu sein, oder abends gemeinsam ein Kartenspiel zu spielen.

Und wenn man mit so einem grundfalschen feministischen Weltbild wie ich aufgewachsen ist, braucht man viel Zeit um zu entdecken, dass das Weltbild grundfalsch ist, und dass Jungs ganz anders sind als Mädchen, und dass Jungs ganz dringend Väter brauchen, und man braucht auch Zeit um den Schmerz des Irrtums zu verarbeiten und die Schuldgefühle, dass man einer dummen Ideologie aufgesessen war und deshalb Fehler gemacht hat und dass das eigene Kind, das man so liebt, die Fehler bezahlt.

Erziehen braucht Zeit und es ist eine Horrorvorstellung, wenn wir die Erziehung dem Staat überlassen wollen und sollen. Ich halte Fr. von der Leyens Familienpolitik mit dem Ausbau der Kinderkrippen für eine nationale Katastrophe. Sie meint es gut, aber sie lenkt damit die Familien in die völlig falsche Richtung.

Einheitserziehung im Karateverein

Einheitserziehung im Karateverein

6 Antworten to “Das konfiszierte T-Shirt”

  1. Thomas Says:

    Deine Reaktion war richtig.

    Seit ich mich mehr und mehr damit auseinandergesetzt habe bin ich der Überzeugung – und das sollte auch so weitervermittelt werden – daß Männern und Jungen denen vorgekaukelt wird daß die Sexualität etwas frei erhältliches in unserer „Schau-mich-an-aber-berühr-mich-nicht“ Kultur ist, im wahrsten Sinne des Wortes betrogen werden.

    Die einseitigen Bilder in der Bravo mag ich nicht und auch nicht mehr die Videoclips, wo die weiblichen Interpreten fast grundsätzlich ihre erotische Karte spielen. („Eisblumen“ gefällt mir z.B. sehr gut dagegen!, ab und zu auf VIVA).

    Ich las kürzlich etwas über die „Verkrüppelung der männlichen Sexualität“, wenn diese Kultur nicht endlich erweitert und bereichert wird.

    Männer geben die Selbstbestimmung ihrer Sexualität aus der Hand, wenn sie mythologisch die weibliche Erotik-Fremdbestimmung zulassen, die Frauen dann auf einen Sockel heben und sich dann darüber beklagen daß sie dort sind.

    Ich denke, in dieser Kultur sich zum „Orgasm… zu ra…“ liegt auch der Grund unerfüllter weiblicher und männlicher Sehnsüchte, anstatt eine gemeinsame emotionale Intensität zu erleben.

    „… und stolz auf unser Geschlecht sind, dann kommen wir zur Frau – voller Faszination und Respekt – aber als Gleicher zur Gleichen. Wir achten und begehren sie, aber wir achten auch uns…“ S. 127.
    „Auch mit sich allein zufrieden, behandelt er Frauen von gleich zu gleich.“ S. 133.

    (Steve Biddulph, Männer auf der Suche)

    Ich denke auch, unsere Entwicklungsgeschichte hat Männern bisher nicht ermöglicht, Anima als Seelenbestandteil anzunehmen.

    Ich schließe auch im Umkehrschluß, wie schlecht müssen sich Frauen fühlen die ihren Animus-Anteil seinerzeit hierzulande dämonisiert haben….

  2. alleinerziehende Says:

    … Ich glaube, dass Frauen sich mehr auf die Sexualität der Männer einlassen müssten, d.h. das Verlangen nach körperlicher Liebe ihres männlichen Partners auch dann befriedigen, wenn sie selbst gerade keine Lust dazu haben. Sich regelmäßig trotzdem drauf einlassen und keine Kopfschmerzen vortäuschen. Ich denke nämlich, dass körperliche Liebe für Männer einen anderen Stellenwert, eine andere Bedeutung und eine andere Wirkung hat als auf Frauen und dass ein unbefriedigendes Sexualleben speziell für Männer ein Beziehungstöter sein kann, mehr als für Frauen.
    (Ich rede hier von festen Beziehungen)

  3. Thomas Says:

    Noch etwas Neues zum Thema von der Leyen in Deinem Topic :

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,612414,00.html

    zu früh gefreut.

    Noch ein beeindruckendes Beispiel wie Manche hierzulande „Jungenarbeit“ definieren :

    http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,457053,00.html

    „Einem Teenager die Existenz des Geschlechtsteils abzusprechen ist ein ziemlich verwirrender Anwurf, aber das nahmen die Dissens-Leute in Kauf, ihnen ging es um die „Zerstörung von Identitäten“, wie sie schreiben. Das Ziel einer „nichtidentitären Jungenarbeit“ sei „nicht der andere Junge, sondern gar kein Junge“.

  4. /ajk Says:

    Ich finde die Reaktion falsch. Das sind sexy Frauen die sich so zeigen. Und das junge Mädchen „nicht wissen das sie erotisch sind“, ist ziemlich naiv.

    Auch junge Mädchen haben eine Sexualität und wollen diese ausleben. Die Denkweise das junge Mädchen keine HABEN dürfen, stammt aus einer Zeit als es noch keine Verhütung gab.

    Und wie Huren schauen sie nicht aus. Huren sind was ekliges. Sie schauen wie Mädels im Badestrand oder in der Disko aus.

    Jungs sind keine dumpfe Idioten die nicht wahrnehmen was richtig und falsch ist!

    /ajk

  5. Alleinerziehende Says:

    Jungs sind keine dumpfen Idioten – aber sie haben unsere Kultur auch nicht von Geburt an internalisiert. Dazu ist ja die Erziehung da. D. h. als Mutter (bzw. Vater) habe ich die Aufgabe, meinen Kind beizubringen, was kulturell erlaubt ist und was nicht. Auch, eine Unterscheidung zu treffen zwischen Barbarismus und Zivilisation. Das fängt mit dem morgendlichen Zähneputzen an, mit dem Essen mit Messer und Gabel, betrifft aber auch geistige Dinge. Und es betrifft auch die Tatsache, dass der Mensch seinen sexuellen Trieben Zügel anlegen muss, und das betrifft ganz besonders Jungs und Männer, weil der dranghafte Sexualtrieb bei dieser Ausgabe der Spezies \“Mensch\“ nun mal weit ausgeprägter ist als bei der weiblichen Ausgabe.

  6. Andreas Says:

    Vielleicht liegts es ja an meinem noch jungen Alter von 26 Jahren aber ich finde es ist ein absolut okes Alltags-T-shirt für einen 16 jährigen. Als Vater hätte ich keine Einwände dagegen, meine Eltern haben mir solche T-shirts sogar geschenkt, auch wenn mit neckischen Unterton (bin etwas menschenscheu vor allem bei Frauen, die sind so …unverständlich).

    Bei Rap kann ich Ihnen nur zustimmen, die Musik ist einfach nur grauenvoll, aber es git ja auch gute: Linkin Park, Within Temptation Nightwish,… 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: